Bericht über die 3. Klimakonferenz der Jugend

und zu der Lage in Heuersdorf

Von Lukas Weidauer (Dresden)



Vom 15. bis 19. März 2001 fand die 3. Klimakonferenz der Jugend in Heuersdorf statt, organisiert vom Bündnis Jugend pro Klimaschutz (BJpK). Die 1. Klimakonferenz der Jugend (KLIKO) fand zeitgleich zur UN-Konferenz in Kyoto im November 1997 statt. Ziel war der Entwurf eines Generationsvertrags zum Klimaschutz. Die 2. KLIKO fand 1999 in Berlin statt. Hier wurden die Forderungen aus dem Generationsvertrag aufgegriffen und in acht Workshops zu Handlungsstrategien für einen Umgang mit der Erde im Interesse nachrückender Generationen entwickelt.

Die 3. Klimakonferenz der Jugend stand unter dem Arbeitstitel vom Raubbau zur Generationsgerechtigkeit und war in drei Oberthemen gegliedert:

Themenbereich A - lokale Aktionen - Klimaschutz im Schüler Alltag, Energiesparen an Schulen

Themenbereich B - regionale Aktionen - Ökologische Nachhaltigkeit im Aufbau der Wirtschaft in Ostdeutschland

Themenbereich C - globales Handeln und Denken, Nord-Süd Kooperation, Partnerschaft mit Marokko und Bangladesch

Diese Themen wurden in verschiedenen Workshops bearbeitet. Daneben standen Vorträge, eine Podiumsdiskussion, Besichtigung des Tagebaus und die Besichtigung des Braunkohlekraftwerks Lippendorf auf dem Programm.

Der Titel der 3. KLIKO steht in unmittelbarer Verbindung mit dem Veranstaltungsort. Die Gemeinde Heuersdorf soll der Braunkohle weichen. Der südlich von Leipzig gelegene Ort, mit seinen rund 200 Einwohnern, kämpft gegen die Abbaggerung ihrer 700 Jahre alten Heimat durch die MIBRAG (Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbH).

Rund 40 Gebäude, darunter ein Rittergut, viele Fachwerkhäuser und regionaltypische Dreiseitenhöfe stehen in Heuersdorf unter Denkmalschutz. Die romanische Emmauskirche wurde im Jahre 1297 erstmals urkundlich erwähnt. Sie gilt als älteste Wehrkirche im Freistaat Sachsen. Die Taborkirche im südlichen Ortsteil Großhermsdorf wurde im Jahre 1866 als Ersatz für eine Kirche aus dem 14. Jahrhundert errichtet.

In den 90er Jahren beschloss die Bundesregierung die Errichtung einer neuen Generation von Großkraftwerken zur Verstromung von Braunkohle. Dazu gehört das Braunkohlekraftwerk Lippendorf, etwa 10 km von Heuersdorf entfernt, welches 2000 in Betrieb ging. Für den geplanten Betrieb über 40 Jahre müssen 400 Millionen Tonnen Braunkohle abgebaut werden. Das erfolgt im Tagebauverfahren in der unmittelbaren Umgebung.

Das Kraftwerk Lippendorf hat eine elektrische Bruttoleistung von 2 mal 933 MW. Es ist zu 50 Prozent im Eigentum des Betreibers, der ostdeutschen VEAG (Vereinigte Energiewerke AG). Die zweite Hälfte gehört zu jeweils 50 Prozent der süddeutschen Stromkonzernen E.ON (E.ON Energie AG) und der EnBW (Energie Baden-Württemberg AG).

Das Kraftwerk Lippendorf hat einen Wirkungsgrad von 42 Prozent und gilt deshalb als das modernste Braunkohlekraftwerk der Welt.

Bei Volllastbetrieb verfeuert das Kraftwerk 34.000 bis 35.000 Tonnen Braunkohle täglich oder 10 Millionen Tonnen im Jahr. Es werden jährlich rund 11,7 Millionen Tonnen CO2 emittiert.

Zum Abbau der benötigten Braunkohle für das Kraftwerk Lippendorf wird über vier Jahrzehnte so viel Erdmasse bewegt, wie wenn man den Suezkanal (Kanal zwischen Mittelmeer und Rotem Meer) dreimal ausbaggern würde.

Im MIBRAG-Tagebau Vereinigtes Schleenhain sollen rund 10 Prozent der dazu benötigten Braunkohle unter der Ortslage von Heuersdorf gewonnen werden.

Die Dorfbewohner sind zu dem Opfer bereit, jedoch nur bei dringender energiewirtschaftlicher Notwendigkeit. Diese konnte bislang noch nicht nachgewiesen werden.

Folgende Gründe sprechen gegen die Zerstörung von Heuersdorf:

Als das Kraftwerk Lippendorf gebaut wurde war die Situation auf dem Energiemarkt noch erheblich anders - heute ist er liberalisiert, der elektrische Strom ist inzwischen überall zu haben.

Die Braunkohle für das Kraftwerk Lippendorf kann mit der Bahn preiswerter aus einem benachbarten Tagebau angeliefert werden.

Das Kraftwerk Lippendorf erschwert den Einsatz dezentraler Energietechnik und wirkt sich negativ auf die regionale Entwicklung aus.

Die hohen CO2-Emissionen aus der Braunkohle stehen den bundesdeutschen Klimaschutzzielen entgegen.

In Deutschland herrscht momentan eine gewaltige Überkapazität an Strom

Ob der Strom aus Lippendorf letztlich gebraucht wird, scheint der Landesregierung egal zu sein. Die „Braunkohleschutzklausel“ hat bis vor kurzem Stromlieferungen nach Ostdeutschland verhindert. Aufgrund einer nun von der Bundesregierung befürworteten “Quotenregelung“ ist die VEAG auf alle Fälle sicher, dass sie ihren Strom losbekommt.

Auf der Anhörung des Umweltausschusses im sächsischen Landtag am Montag, den 19.03.2001 gab es nach Aussage von Jeffrey Michel, Energiebeauftragter der Gemeinde Heuersdorf, eine mögliche Erklärung für die Drangsalierung der Bewohner von Heuersdorf. Viele Indizien sprechen nämlich dafür, dass die Braunkohle unter der Gemeinde bereits 1993 - 1994 von der Treuhandgesellschaft an die MIBRAG verkauft wurde. Es fiel danach der Staatsregierung die Aufgabe zu, die Einwohner zur Umsiedlung zu bewegen. Gelingt ihr das nicht, will die MIBRAG (nach Darstellung eines der Gutachter) eine Schadenersatzforderung an die Staatsregierung von über 300 Millionen DM stellen.

Die Braunkohlevorkommen in Deutschland belaufen sich nach Schätzungen auf fast 80 Milliarden Tonnen. Etwa die Hälfte davon gilt nach dem derzeitigen Stand der Tagebautechnik und der Energiepreise als wirtschaftlich rentabel abbaubar.

1999 wurden in Deutschland 161.283.000 Tonnen Braunkohle gefördert; dazu kommen 2.053.000 Tonnen Importbraunkohle.

Aus 1 kg Braunkohle gewinnt man rund 1 kWh und es werden etwas mehr als 1 kg CO2 emittiert.

1999 betrugen die energiebedingten CO2-Emissionen der Braunkohle in Deutschland 165 Millionen Tonnen. Die energiebedingte CO2-Emission in ganz Deutschland lag 1998 bei 924 Millionen Tonnen (USA: 6.032 Millionen Tonnen CO2).

Aus den vier VEAG-Braunkohlekraftwerken werden insgesamt 50 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr emittiert. Um die bundesdeutschen Klimaschutzziele bis 2005 zu erreichen, muss der jährliche CO2-Ausstoß um das zweifache - also 100 Millionen Tonnen - verringert werden.

Die Leerlaufverluste (Stand-by etc.) in Haushalt und Büro in Deutschland belaufen sich jährlich auf rund 20 Mrd. kWh. Würde man hier nur 7% einsparen, könnte Heuersdorf stehen bleiben, denn die eine Mill. Tonne Braunkohle pro Jahr (1,3 Mrd. kWh/a) wären überflüssig.

Für den Erhalt von Heuersdorf und die Unterstützung der Einwohner plant das BJpK in Heuersdorf ein Büro einzurichten. Die Ziele des Projektes sollen sein:

Öffentlichkeitsarbeit und lokale Aktionen

Tagungs- und Begegnungsstätte

Konzept für energieautarke Gemeinden

Beitrag zum Erhalt von Heuersdorf



Ausführliche Informationen

über Heuersdorf findet Ihr im Netz unter www.heuersdorf.de

über das BJpK und die Klimakonferenz unter www.klimakonferenz.de

(Auf den Seiten findet ihr weitere Ansprechpartner)

Das könnt Ihr tun

Bringt der Öffentlichkeit Heuersdorf ins Bewußtsein!

Besucht Heuersdorf z. B. mit der Schulklasse, macht Exkursionen.

Briefe an Politiker wie z. B. Prof. Dr. Biedenkopf (Ministerpräsident von Sachsen) schreiben und abschicken.

Entwickelt selber Gedanken, wie Heuersdorf erhalten bleiben kann.