Laufende Erfassung der CO2-Emissionen des Kraftwerks Lippendorf

Die Braunkohle deckt rund 11 Prozent des Primärenergiebedarfs in Deutschland, doch sie ist zu 22 Prozent am energiebedingten Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) beteiligt.(1)

Das Kraftwerk Lippendorf ist nach anderen Braunkohlekraftwerken (Niederaußem, Jänschwalde, Frimmersdorf, Weisweiler, Neurath, Boxberg) die bundesweit siebtgrößte Einzelquelle von Kohlendioxid.(2) Seit der Einweihung dieses Kraftwerks südlich von Leipzig am 22. Juni 2000 wurden bis 2015 über 170 Millionen Tonnen Kohlendioxid emittiert.

Allein die Verstromung von gut 60 Millionen Tonnen Heuersdorfer Braunkohle hat mehr als 70 Millionen Tonnen CO2 zu diesem Ergebnis beigetragen.(3)

Diese Angaben beruhen auf den folgenden Kenndaten.

Das Kraftwerk Lippendorf wird ausschließlich mit Rohbraunkohle aus dem Mibrag-Tagebau Vereinigtes Schleenhain verfeuert, die einen nominellen Heizwert von 10,5 MJ/kg (Megajoule pro Kilogramm) aufweist.(4) Bei der Oxidation (Verbrennung) eines Kilogramms des darin enthaltenen Kohlenstoffs zu Kohlendioxid werden 32,8 MJ Energie freigesetzt.(5) Damit enthält die Schleenhainer Braunkohle bei Vernachlässigung aller sonst nur in geringen Mengen vorkommenden Bestandteile 10,5/32,8 = 0,32 kg Kohlenstoff pro Kilogramm.(6) Das Molekulargewicht von Kohlenstoff (C) ist 12, von Sauerstoff (O) 16 und somit von Kohlendioxid 44. Daraus ergeben sich bei der Verbrennung einer Tonne Schleenhainer Braunkohle: 0,32 Tonnen C * 44/12 = 1,173 Tonnen CO2.

Diese Angabe kann aus zwei Gründen als konservativ gelten:

Die Kohlequalität im ersten Abbaufeld des Tagebaus, das bis ca. 2020 ausgekohlt wird, weist einen überdurchschnittlich hohen Heizwert mit entsprechend reichlichem Kohlenstoffgehalt auf.

Vattenfall Europe gibt einen CO2-Ausstoß um 57.000 Tonnen für die tägliche Verfeuerung von 34.000 Tonnen Mibrag-Rohbraunkohle an.(7) Demzufolge wird im Kraftwerk offenbar von 1,67 Tonnen Kohlendioxid pro Tonne Braunkohle ausgegangen, wenngleich dieser hohe Emissionswert physikalisch nicht zu begründen ist.


Auf der Grundlage der veröffentlichten Fördermengen für die Jahre 2001 (11,5 Millionen Tonnen), 2002 (10,6) und 2003 (11,7) wird ein durchschnittlicher Braunkohleverbrauch im Kraftwerk Lippendorf von 11,27 Millionen Tonnen und (unter Nutzung des Umrechnungsfaktors 1,173) ein CO2-Ausstoß um 13.219.710 Tonnen pro Jahr angenommen. Dieser Zeitraum stellt zugleich die Basisperiode für die Zuteilung von CO2-Emissionsberechtigungen nach dem Nationalen Allokationsplan dar.

Anmerkungen

1.

Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, DIW-Wochenbericht 10/04 “CO2-Emissionen in Deutschland im Jahre 2003: Witterungsbedingt leichte Steigerung”. www.diw.de/deutsch/produkte/publikationen/wochenberichte/docs/04-10-2.html

2.

Statistik der Kohlenwirtschaft e. V. www.kohlenstatistik.de

3.

Heuersdorf setzt sich deshalb in seinem Standpunkt zur Braunkohlenutzung für eine vorgezogene Energiewende durch CO2-neutrale Windparks und die Nutzung von Biomasse ein.

4.

Qualitätsparameter der Rohbraunkohle im Mibrag-Tagebau Vereinigtes Schleenhain (Quellen: Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbH www.mibrag.de; U. Hoffmann: Der Tagebau Schleenhain)


Heizwert

9,7 bis 11,1 MJ/kg


Schwefelgehalt

1,5 bis 2,0 Prozent


Asche

5,3 bis 8,5 Prozent


Wasser

52 Prozent

5.

Glen Erlert. The Physics Hypertextbook. http://hypertextbook.com/physics/matter/energy-chemical

6.

Nach Abzug der jeweiligen Anteile an Schwefel, Asche und Wasser verbleibt ein Reinkohlengehalt von etwa 40 Prozent. Dieser setzt sich größtenteils aus Kohlenstoff sowie aus weiteren kohlenstofffreien Bestandteilen wie beispielsweise Wasserstoff, Stickstoff und Sauerstoff zusammen. Der Kohlenstoffgehalt der Braunkohle lieg deshalb bei rund einem Drittel der Gesamtmasse.

7.

Reinhardt Hassa, Vattenfall Europe Generation AG & Co., “Betriebserfahrungen mit den neuen Kraftwerksblöcken”, 22.05.2004, S. 15. www.opet-network.net/docNEWS/Bilder%20Vortrag%20Hassaengl.ppt