05. November 2001 Nr. 113

Stagnation im Namen des Fortschritts

Die Lausitzer Braunkohle AG (Laubag) hat das Engagement schwedischer Politiker um die Erhaltung der sorbischen Ortschaft Horno kritisiert (Der Tagesspiegel, 16.10.2001; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 112, Zitierfähiges). Da der Energiekomplex Jänschwalde rund 4.000 Arbeitsplätze sichern würde, wäre die Schonung des Dorfes "wirtschaftspolitisch unverantwortlich gewesen".

Soll man etwa glauben, dass der Fortbestand der ostdeutschen Wirtschaft allein vom Bergbau abhängt? Muss nicht vielmehr die Abwanderung junger Menschen durch nachhaltige Wirtschaftskonzepte abgewendet werden?

Die Redaktion

Aktuelle Nachrichten

Fünfte Kraft im Umriss: Für Norbert Wenner, Vorstandsvorsitzenden der Mitteldeutschen Energieversorgung AG (Meag), ist ihr Absatzgebiet "die Nahtstelle" für Stromallianzen zwischen Deutschland, Tschechien und Polen (Leipziger Volkszeitung, Mitteldeutsche Zeitung, 12.10.2001). Die Meag hält rund ein Drittel der Anteile an der tschechischen Severoceska energetika (SCE). E.on, Verbundnetz Gas, die Städte Most und Teplice sowie der nationale Privatisierungsfonds FNM CR sind ebenfalls daran beteiligt. Im Geschäftsjahr 2002/2001 hat die Meag einen um 9,7 Prozent gestiegenen Stromabsatz um 6,3 Milliarden Kilowattstunden (6,3 TWh) erzielt (Leipziger Volkszeitung, 17.10.2001). Davon wurden 3,6 TWh Elektroenergie von der Vereinigte Energiewerke AG (Veag) bezogen. Nach Ansicht von Norbert Wenner könnte die geplante Fusion von Meag, Envia und Stadtwerke Leipzig nun "weniger als ein halbes Jahr benötigen" (Mitteldeutsche Zeitung, 11.10.2001; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 110, 111). Doch gemäß einem neuen Gutachten überwiegen die Nachtteile für die Stadtwerke, so dass die Fusion im Stadtrat keine Mehrheit finden wird (Leipziger Volkszeitung, 27.10.2001). Leipzig würde Anteile von nur maximal zwölf Prozent an dem fusionierten Unternehmen besitzen.

Frischzellenkur: Im Insolvenzverfahren von Washington Group International (WGI), fünfzigprozentigem US-Eigentümer der Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbh (Mibrag), lehnte Richter Gregory Zive die Verteidigungsschrift des Unternehmens ab, nachdem sich WGI-Geschäftsführer Steve Hanks einer Zeugenaussage kurzfristig entzogen hatte (The Idaho Statesman, 12.10./02.11.2001; www.heuersdorf.de; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 105, 109, 112). Nachdem nun eine Einigung zwischen WGI und den Hauptgläubigern erzielt worden ist, wird mit der Herausgabe neuer Aktien bereits im Dezember gerechnet.

Gas geben: Die französische Gaz de France (GdF) will sich nach Möglichkeit am neuen norddeutschen Energiekonzern aus HEW, Veag, Laubag und gegebenenfalls Bewag beteiligen (Berliner Zeitung, Berliner Morgenpost, 15.10.2001). Der Anteil am deutschen Gasmarkt von derzeit drei Prozent soll ebenfalls ausgebaut werden.

Turbulenzen in der Kohle: Zum ersten Mal wurde ein Arbeitskampf bei der ostdeutschen Braunkohlenwirtschaft ausgetragen (Mitteldeutsche Zeitung, 13./25.10.2001; Leipziger Volkszeitung, 16./24./25./29.10.2001; Lausitzer Rundschau, 19./25.10.2001; www.igbce.de). Vor dem Hintergrund höherer Braunkohleabbaumengen wurde für die rund 10.000 Beschäftigten eine Tariferhöhung von 4,5 Prozent für ein Jahr und danach eine zusätzliche Erhöhung von zwei Prozent für weitere sechs Monate vereinbart. Im Geschäftsjahr 2000/2001 förderte die Laubag 56,7 Millionen Tonnen Rohbraunkohle und erwirtschaftete aber einen Verlust von 34,6 Millionen Euro (www.laubag.de, 16.10.2001). Das Unternehmen beschäftig derzeit noch 5.646 Mitarbeiter, davon 281 Auszubildende (s. Heuersdorf Aktuell Nr. 80).

Blütenträume: Nach Aussage des Brandenburger Umweltministeriums weiß das Land noch nicht, wie die Fehlsumme von 5 bis 6 Millionen DM für die geplante Umsiedlung von Horno ausgeglichen werden soll (Lausitzer Rundschau, 20.10.2001). Die Stadt Regis-Breitingen hat für den Betrag von 72.200 DM ein 3.318 Quadratmeter großes Flurstück gekauft, das nach Aussage von Bürgermeister Reinhard Mäder als "Tor" für eine eventuelle künftige Siedlung von Heuersdorf dienen könnte (Leipziger Zeitung, Ausgabe Borna, 20.10.2001).

Mit halber Kraft: Für den Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) würde die "Wirksamkeit der seit vielen Jahren erfolgreich umgesetzten Selbstverpflichtungserklärung der deutschen Wirtschaft zur Klimavorsorge" durch den nunmehr von der Europäischen Kommission ab 2005 geplanten Handel mit Emissionszertifikaten "erheblich behindert werden" (Pressemitteilung 25.10.2001; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 79, 112).

Vereinigungserfolg: Die aus der Frankfurter EEX und der Leipziger LPX hervorgehende EEX European Energy Exchange AG wird in Leipzig ansässig sein (Berliner Morgenpost, 27.10.2001; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 56, 57, 58, 73, 82, 84, 85). Die beiden Einrichtungen handeln im Spotmarkt zusammen derzeit 90.000 Megawattstunden pro Tag und damit 6,6 Prozent des in Deutschland abgesetzten Stroms.

Vorauseilende Vernichtung: Der Hauptbetriebsplan für den Tagebau Vereinigtes Schleenhain 2002 - 2003 sieht das Fällen von Obstbäumen entlang der Straße von Heuersdorf nach Breunsdorf in der Zeit vom 01.02.2002 - 28.02.2002 vor.

Preiswerter Start: Die im März 1999 ins Leben gerufene Zukunftsstiftung Südraum Leipzig schiebt nun das Projekt "Vernetzte Region Südraum Leipzig" mit 65.000 Mark an (Leipziger Volkszeitung, Ausgabe Borna, 01.11.2001; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 84, 97).

In eigener Sache

Frau Inge Keller ist seit dem 29.10.2001 als neue ABM-Kraft im Informations- und Beratungszentrum "Zukunft für Heuersdorf" tätig. Es finden dort Vorträge, Spielnachmittage und Informationsstunden statt. Die Beratungen der sächsischen PDS werden wie gewohnt am jedem ersten Freitag des Monats mit interessierten Bürgern durchgeführt.

Zitierfähiges

Immanuel Kant, Der kategorische Imperativ: "Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne."