25. November 2001 Nr. 114

Sanierung auf Kosten der Eigentümer

Die an der Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbH (Mibrag) zu fünfzig Prozent beteiligte Washington Group International (WGI) hat sich in ihrem Vergleichsverfahren mit den wichtigsten Kontrahenten, darunter dem Raytheon-Konzern, geeinigt (www.powernews.org, 15.11.2001; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 105, 109, 112, 113). Die Gläubiger sollen nach der Umstrukturierung sämtliche Anteile des neu aufgestellten Konzerns erhalten. Dennis R. Washington bleibt für mindestens zwei Jahre Vorstandschef.

Die Aktionäre haben hingegen einen Wertverlust von ca. einer halben Milliarden US-Dollar erlitten. Der Amerikaner Mark Halvorsen verlor an einem Tag ein Viertel Million Dollar, den Großteil seiner Altersversorgung. Er stellt resigniert fest: "Es widert mich an, dass Leute mit einem derartigen Selbstachtungsgefühl andere Menschen kannibalisieren können und dennoch mit dem Irrglauben leben, dass sie verantwortungsvoll sind."

Die Redaktion

Aktuelle Nachrichten

Erwärmendes: Für Regine Günther, Leiterin der Klimaschutz- und Energieabteilung des World Wide Fund For Nature (WWF) Deutschland, stehen die Zeichen für den Klimaschutz "auf Sturm" (Neues Deutschland, 05.11.2001). Der Neubau zweier Braunkohlekraftwerke Garzweiler II stehe im kommenden Jahr ins Haus. Bundeswirtschaftsminister Werner Müller habe "erfolgreich den Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung gekillt" und setze sich nun in der EU "massiv" für einen nationalen Energiesockel ein, so dass in Deutschland "die Subventionen für Steinkohle munter weiterfließen können" (s. Dokumentation). Müller ist jedoch zuversichtlich, dass mit Hilfe des Klimaschutzprogramms das nationale Ziel einer 25prozentigen CO2-Minderung erreicht werden kann (Energie & Management, 15.11.2001). Die Schweizer Prognos und das Energiewirtschaftliche Institut (EWI) der Universität Köln sagen energiebedingte CO2-Emissionen von 891,5 Millionen Tonnen im Jahr 2010 voraus (lediglich etwa 11 Prozent weniger als der CO2-Emissionsstand 1990).

Schwedischer Gegenwind: Nach einer Anhörung in Stockholm (Neues Deutschland, 08.10.2001) besuchten zwei schwedische Abgeordnete das vom Braunkohlenabbau bedrohte Dorf Horno (Berliner Morgenpost, 15./19.11.2001; Märkische Allgemeine Zeitung, 16.11.2001; Der Tagesspiegel, 19.11.2001; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 112, Ankündigung). Die der schwedischen Vattenfall gehörende Lausitzer Braunkohle AG (Laubag) und die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE) luden die Politiker ebenfalls zu einem Informationsbesuch ein. Die Parlamentarier Ewa Larsson und Sture Andersson gehen von der Zerstörung weiterer Dörfer aus. Die IG BCE will den Schwedischen Reichstag auf die Respektierung der Landtagsbeschlüsse dringen und Bundeskanzler Gerhard Schröder für ihr Anliegen gewinnen (Berliner Zeitung, 20.11.2001).

Verlorener Schatz: Die mit 523 Metern längste Förderbrücke Deutschlands ist aufgrund fehlender Erhaltungsfinanzierung bei Zwenkau gesprengt worden (Leipziger Volkszeitung, 07./09.11.2001; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 101, 102, 104, 111, 112). Für Niels Gormsen, den Vorsitzenden des Vereins zur Rettung des "größten Kulturdenkmals Sachsens", wurde dadurch eine große Chance für den Leipziger Südraum vertan.

Hochwasser: Aufgrund der unzureichenden Stromabsatzes wird nach der Inbetriebnahme des Pumpspeicherwerks Goldisthal Ende 2003 die teilweise Schließung der bestehenden Anlage in Hohenwarte für möglich gehalten (Neues Deutschland, 15.11.2001; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 10, 11, 69, 79). Nach Angabe des Vorstandsmitglieds der Vereinigte Energiewerke AG (Veag), Eckhard Dubslaff, könnte überschüssiger Strom von anderen Versorgern für zwei bis drei Pfennige pro Kilowattstunde gekauft und nach der Zwischenspeicherung für zehn Pfennige oder mehr wiederverkauft werden. Veag setzt derzeit 54 Terawattstunden Strom pro Jahr trotz sinkender Abnahme in den neuen Bundesländern durch wachsende Handelsaktivitäten in anderen Regionen ab (Neues Deutschland, 21.11.2001).

Geplatzte Träume: Wegen einer übermäßig hohen Einflussnahme von RWE im vorgelegten Beteiligungskonzept werden die Stadtwerke Leipzig GmbH (SWL) eine Firmenfusion mit der Mitteldeutsche Energieversorgung AG (Meag) und der Energie Sachsen Brandenburg AG (Envia) nicht eingehen (Leipziger Volkszeitung, 17.11.2001; Neues Deutschland, 19.11.2001; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 108, 110, 111).

Entwicklung in Windeseile: In Sachsen werden über 470 Windkraftanlagen mit einer installierten Nennleistung von 354 Megawatt betrieben (Bundesverband Windenergie Landesverband Sachsen, Pressemitteilung, 22.11.2001; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 5, 8, 17, 21, 28, 29, 57, 94, 97, 101, 103, 109, 110). Mit der Windkraft werden 1,6 Prozent des sächsischen Stromverbrauchs erreicht und damit die Wasserkraft (1,3 Prozent) übertroffen. Der Anteil der Photovoltaiktechnik an der Stromversorgung beträgt 0,001 Prozent.

Energiesparen per Funk: Mit der Dienstleistung "eHome Services" der Envia können Energiemanagementfunktionen des Endkunden über Handy gesteuert werden (Zeitung für kommunale Wirtschaft, November 2001). Allein durch eine bedarfsgerechte Regelung lassen sich Heizenergiereduzierungen von bis zu 30 Prozent erzielen. (Damit wird die Grundidee des "Virtuellen Kraftwerks Heuersdorf" umgesetzt, mit der die Abbaggerung der Gemeinde überflüssig wäre; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 6, 23, 28.)

Ankündigung

Seit Mitte November können aktuelle Entwicklungen um das sorbische Dorf Horno unter www.horno-allianz.de abgerufen werden. Die internationalen Aktivitäten des Veag/Laubag-Eigentümers Vattenfall sind unter www.vattenfall-watch.org zu verfolgen.

Dokumentation

"Die Umweltprobleme des 21. Jahrhunderts", Energiewirtschaftliche Tagesfragen, 11/2001: "Die wichtigsten Umweltprobleme der nächsten 100 Jahre nach einer Einschätzung von 200 Umweltexperten und Wissenschaftlern der UNEP in %: Klimawandel 51, Wasserknappheit 29, Zerstörung Wälder/Wüstenbildung 28, Wasserverschmutzung 28, Verlust der Artenvielfalt 23, (...) Erschöpfung der natürlichen Ressourcen 11, (...) Gentechnik 6, Meeresverschmutzung 6, Überfischung 5, (...) Anstieg der Meeresspiegel 3."