14. Februar 2002 Nr. 117

Grenze der Machbarkeit?

Gemäß der vorgelegten "Strategie der Bundesregierung zur Windnutzung auf See" wird bis 2025 der Windkraftanteil am Stromverbrauch auf mindestens 25 Prozent gesteigert (www.bmu.de; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 115). Hierzu soll der Bau von Offshore-Windparks in der Nord-und Ostsee vorangetrieben werden. Dadurch wäre der bisherige Beitrag der Atomkraft zu ersetzen.

Dieses Vorhaben ändert aber nichts an den CO2-Emissionen, an denen die Kohlewirtschaft und der Verkehr die größten Anteile haben.

Die Redaktion

Aktuelle Nachrichten

Erneute Wiedergeburt: Das im Mai 2001 andauernde Vergleichsverfahren des 50prozentigen Eigentümers der Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbH (Mibrag) Washington Group International (WGI) wurde nach Genehmigung des eingereichten Umstrukturierungsplans beendet (The Idaho Statesman, 23.01./06.02./07.02.2002; www.wgint.com; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 105, 109, 112, 113, 114). Der Konzern rechnete ursprünglich mit einer Verdopplung seiner Gewinne innerhalb von zwei Jahren, doch am 5. Februar wurden die Gewinnprognosen für die kommenden drei Jahre um fast die Hälfte reduziert. Die neuen Aktien mit einem Ausgabepreis von 23 Dollar wurden danach mit lediglich 17,75 Dollar gehandelt.

Abfälliges: Die Anlagenbautochter Lurgi Lentjes der MG Technologies AG soll den Auftrag zum Bau einer Müllverbrennungsanlage am Kraftwerksstandort Lippendorf für 100 Millionen Euro erhalten haben, obwohl noch keine Genehmigung dafür vorliegt (Leipziger Volkszeitung, 30.01./01.02./05.02./06.02.2002). Die Bürgermeisterin von Böhlen, Maria Gangloff, will den Sachstand mit dem möglichen Betreiber, der Vereinigte Energiewerke AG (Veag), in Anwesenheit von Bürgervertretern klären. Nach Angabe des 25prozentigen Lippendorf-Eigentümers E.ON-Kraftwerke GmbH sei zunächst nur ein Planungsauftrag erteilt worden. Für den mit jährlich 330.000 Tonnen Müll veranschlagten "größten Abfallverbrennungskessel Deutschlands" werden 60 Arbeitskräfte benötigt. Henry Graichen, Bürgermeister von Neukieritzsch, sieht darin "Chancen für die Entwicklung unseres Standorts". Landrätin Petra Köpping hingegen lehnt das Vorhaben mit Verweis auf geplante Anlagen in Zeitz, Leuna, Halle-Lochau und Delitzsch ab: "Wir haben einfach zu wenig Müll für so viele Anlagen". Die vom Leipziger Regierungspräsidium genehmigte thermische Verbrennungsanlage in Espenhain mit 30.000 Tonnen Jahresdurchsatz aus "geschredderten, konterminierten und besonders überwachungsbedürftigen Altstoffen und Brennstoffen aus Abfall" wird vom Verein "Zukunft Südraum Leipzig" beanstandet, der die Auswirkung des Mülltourismus befürchtet (s. Heuersdorf Aktuell Nr. 93). Derzeit gebe es schon mehr als zehn Firmen im Südraum, die mit Abfallverwertung zu tun haben.

Erbgut: Die umweltpolitische Sprecherin der PDS-Fraktion im Sächsischen Landtag, Andrea Roth, hat den mangelnden Kenntnisstand zur Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Richtlinie der EU bei manchen Behörden und Politikern kritisiert (www.pds-sachsen.de). Die Ansicht, dass FFH-Gebiete Tausende Arbeitsplätze gefährden, gehe an der Wirklichkeit vorbei. Der Schutz eines Minimums an Naturausstattung stelle außerdem "einen wichtigen Gemeinwohlbelang dar. Diesen zu sichern, besonders in Anbetracht des für Sachsen prognostizierten Klimawandels, sind wir unseren Kindern schuldig" (s. Ankündigung).

Himmlischer Segen: Nach Angabe der Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft e.V. (UVS) wurden 2001 in Deutschland rund 130.000 neue Solaranlagen installiert (www.stromtarife.de). Dabei wurden etwa 20.000 Anträge für Photovoltaikanlagen von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bewilligt.

Dauerwelle: Die Zahl der Arbeitslosen in der Region Borna ist zum Anfang des Jahres um 685 auf 8755 Menschen angestiegen (Leipziger Volkszeitung, Ausgabe Borna 07.02./08.02.2002). Die Arbeitslosenquote kletterte damit auf 22,9 Prozent. Nach Erkenntnis von Katrin Heinrich, Regionalmanagerin des Kommunalen Forums im Südraum Leipzig, haben die Kommunen (als potentielle Auftraggeber) "große Probleme, für ihre Projekte Fördermittel zu beantragen, da sie die Eigenmittel oft nicht aufbringen können."

Rationalisierungserfolg: Die Veag verkaufte im vergangenen Jahre 58,7 Milliarden Kilowattstunden Strom und damit acht Prozent mehr als 2000 (Berliner Morgenpost, 08.02.2002). Die Zahl der Beschäftigten verringerte sich zugleich um 7,1 Prozent auf 5602.

Lieblingslieder: Nach Ansicht des CDU-Landtagsabgeordneten (und ehemaligen sächsischen Umweltministers) Rolf Jähnichen kann die Braunkohle im Südraum Leipzigs nur dann wirtschaftlich sinnvoll genutzt werden, wenn die Gemeinde Heuersdorf umgesiedelt wird (Leipziger Volkszeitung, Ausgabe Borna, 09.02./12.02.2002; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 2, 37, 47, 51, 52, 70, 98). Er fordert die Sächsische Staatsregierung (derzeit eine lahme Ente) zum Aufbau eines neuen Dorfes mit Umsetzung der alten Bausubstanz auf. Der Bezirksvorsitzende der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Uwe Bruchmüller, verlangt zügig ein neues Heuersdorf-Gesetz. Der von der PDS gestellte (aber mehrheitlich abgelehnte) Antrag im Sächsischen Landtag zur Förderung der Gemeinde "hilft niemanden und ist blanker Populismus". Mibrag und Veag müssen "bedeutende Arbeitgeber im Südraum bleiben". (Die Erhaltung von Heuersdorf änderte nichts daran, während das regionale Handwerk viele Aufträge für die Dorferneuerung bekäme.) Jeffrey H. Michel, Energiebeauftragter von Heuersdorf, kritisiert die "technische Veredelung der Praxis, die aus Mangel an Alternativen bereits von der DDR verfolgt wurde" (www.energiewerk.net).

Mehr Beschäftigung: Erstmals in der Firmengeschichte hat die Mibrag alle 21 Lehrlinge, welche die Prüfungen bestanden haben, in ein unbefristetes Vertragsverhältnis übernommen, da der erhöhte Kohleabsatz der Kraftwerke Lippendorf und Schkopau zu einem guten Unternehmensergebnis geführt hat (Mitteldeutsche Zeitung, 14.02.2002). Im Tagebau Profen ist eine zweite Schicht im Abraum eingerichtet worden, um den Vorlauf für den Kohleabbau zu sichern (s. Heuersdorf Aktuell Nr. 10, 29, 32, 39, 52, 53, 68, 93,100, 103).

Ankündigung

2. Landesenergiekonferenz der PDS-Sachsen am 09. März 2002 in Heuersdorf.