30. April 2002 Nr. 120

Arbeitserleichterung

Im Auftrag des Wirtschaftsverbandes Windkraftwerke (WVW) hat das Meinungsforschungsinstitut EMNID ermittelt, dass 92 Prozent der Befragten die verstärkte Nutzung der Windkraft aus Klimaschutz-Gründen begrüßen würden (Pressemitteilung 25.03.2002; s. Rückblende). Die Senkung von Treibhausgasen wird als vordringliche Menschheitsaufgabe begriffen.

Ab 2005 werden CO2-Emissionen durch einen EU-weiten Emissionshandel geregelt. Im Leipziger Südraum breitet sich die Erkenntnis aus, dass unter dieser Bedingung das Kraftwerk Lippendorf nicht auf Dauer mit der CO2-belasteten Braunkohle betrieben werden kann. Viele Fachleute gehen von einer mittelfristigen Umstellung der Feuerungstechnik auf Heizöl aus.

Heuersdorf muss folglich der Braunkohle nicht geopfert werden. Der neue sächsische Wirtschaftsminister kann den Umsiedlungsfall gleich ad acta legen.

Die Redaktion

Aktuelle Nachrichten

Kasse des Vertrauens: Die Staatsanwaltschaft Berlin ermittelt gegen einen Abteilungsleiter der Vereinigte Energiewerke AG (Veag) wegen des Verdachts auf Bestechung durch den Mannheimer ABB-Konzern im Zusammenhang mit dem Neubau des Kraftwerkes Boxberg (Lausitzer Rundschau, 26.03.2002).

Windrichtung veränderlich: Die Veag wird im Auftrag der Boreas Energietechnik GmbH zehn Mechatroniker für Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien in Jänschwalde ausbilden (Lausitzer Rundschau, 28.03.2002). In der Nähe des Braunkohlekraftwerks werden ein Ausbildungs- und Testwindfeld sowie ein Servicestützpunkt aufgebaut. Sachsens Umweltminister Steffen Flath hat eine gesetzliche Regelung gefordert, nach der Gemeinden künftig den Bau von Windrädern untersagen können, solange kein rechtskräftiger Flächennutzungsplan vorliegt (Sächsische Zeitung, 27.04.2002).

Guter Kumpel: Bundeskanzler Gerhard Schröder hat beim Besuch der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft mbH (Mibrag) eine Dampfleitung zwischen dem Kraftwerk Mumsdorf und dem Industriepark Zeitz eingeweiht (Mitteldeutsche Zeitung, Leipziger Volkszeitung, 28.03.2002). Dort sind die drei Fabriken der italienischen Firma Radici auf Frischdampf angewiesen, während eine Raffinerie der Firma Puralube ab 2003 Altöl mit Dampf aufarbeiten wird. Die Förderhöhe bei der Mibrag erreichte vergangenes Jahr die Rekordmenge von 18,7 Millionen Tonnen Rohbraunkohle. Der mit 250 Millionen Euro modernisierte Tagebau Profen soll nun bis in die 30er Jahre dieses Jahrhunderts angesichts rigoroser Kostensenkungsmaßnahmen, gestiegener Preise für Importenergieträger und einer Abnahmegarantie von Vattenfall für das Kraftwerk Schkopau betrieben werden können.

Stromlinie: Die Veag hat ihren Umsatz 2001 um 124 Millionen auf 1,8 Milliarden Euro gesteigert (Berliner Morgenpost, 03.04.2002; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 80, 102, 104, 107, 116). Derzeit werden 5.620 Arbeitnehmer und 538 Auszubildende beschäftigt (Märkische Allgemeine, 30.04.2002). Nach der Fusion bis zum Jahresende mit der Lausitzer Braunkohle AG (Laubag), der Berliner Bewag und der Hamburgische Electricitäts-Werke AG (HEW) zur neuen Holding Vattenfall Europe drohen weitere Jobverluste. Nach Aussage des Konzernbetriebsratsvorsitzenden, Wilfried Schreck, bleibt dabei "kein Stein mehr auf dem anderen". Der Vorstandsvorsitzende der Holding, Klaus Rauscher, hat versichert, dass der Arbeitsplatzabbau vor allem über Vorruhestands-Maßnahmen abgewickelt werden soll.

Kurzschluss: Die Leipziger Kilowatthandel AG hat zusammen mit der Online-Ausgabe der Bildzeitung bislang 6.000 Haushaltskunden zu einem Strompool zusammengeschlossen (Wirtschaft IHK Leipzig, 4/2002; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 47, 48, 53, 54, 59, 83).

Heiliges Versprechen: Der Ortsvorsteher des sorbischen Dorfes Horno, Bernd Siegert, hat die Zusage vom Brandenburger Ministerpräsident Manfred Stolpe erhalten, dass im Umsiedlungsfall "die Hornoer die gleiche Förderung wie die Kauscher erhalten werden, die auch ihr Dorf wegen des Braunkohleabbaus aufgeben mussten und nach Neu-Kausche bei Drebkau zogen" (Lausitzer Rundschau, 12.04.2002; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 108, 115, 116, 118). Das Gemeindezentrum und das Feuerwehrgerätehaus am Hornoer Umsiedlungsort sollen zusammen 3,4 Millionen Euro kosten.

RWE-Tochterehe: Die Fusion der Envia Energie Sachsen Brandenburg AG (Envia) und Mitteldeutschen Energieversorgung AG (Meag) zur Mitteldeutsche Energie AG (Enviam) soll am 11. Juni auf einer außerordentlichen Hauptversammlung bestätigt werden (Leipziger Volkszeitung, 18.04.2002; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 107, 108, 110, 111, 112, 113, 114). Das neue Unternehmen wird Leistungen im Energie- und Telekommunikationssektor für rund 1,6 Millionen Verbraucher in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen anbieten.

Wiederkehrende Muster: Dem Kaolinwerk im sächsischen Kemmlitz droht die Schließung, falls Mitglieder der Kirchengemeinde Mügeln den Aufschluss eines neuen Tagebaus verhindern können (Leipziger Volkszeitung, 20.04.2002). Nach Aussage von Eckhard Rexroth, dem Vorsitzenden der Bürgerinitiative Kaolinabbau, habe man "nichts gegen den Kaolinabbau, sondern nur an dieser Stelle". Uwe Bruchmüller, Bezirksleiter der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), droht mit Mahnwachen vor der Kirche, um auf die knapp 100 gefährdeten Arbeitsplätze hinzuweisen.

Imagefrage: Der Kreistag Leipziger Land hat mit den Stimmen aller Kreisräte beschlossen, die Landrätin Petra Köpping zu beauftragen, beim Regierungspräsidium ein Raumordnungsverfahren über die Errichtung einer Müllverbrennungsanlage der E.ON-Kraftwerke GmbH in Lippendorf zu beantragen (Leipziger Volkszeitung, Ausgabe Borna, 26.04.2002; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 117, 118). Der CDU-Abgeordnete Herbert Ehme verwies darauf, dass nur auf diese Weise der Wille der Bürger zu erfragen sei.

Rückblende

Jeff Woodburn, US-Politiker, 11.01.2000: "Woran ich mich nur bei früheren Wahlkämpfen erinnere, ist durchdringende Kälte und Nässe, draußen vor den Fabriken und Werken, den Schnee aus meinen Augen wischend, als die Flugblätter mit frierenden Fingern verteilt wurden. Das hat den Spaß des Ganzen ausgemacht. Am Wochenende hatten wir fast 16 Grad. Man brauchte nicht einmal einen Mantel, um hinauszugehen."