07. August 2002 Nr. 126

Notwendige Alternativen

Nach Erkenntnis des Hamburger Klimaforschers Mojib Latif ist die Zunahme von extremen Wetterlagen eindeutig auf den Treibhauseffekt zurückzuführen (www.faz.net, 16.07.2002). Das einzig wirksame Gegenmittel sei der weltweite Einsatz von regenerativen Energien.

Die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) kündigt in ihrem jüngsten Umweltbericht (26.07.2002) an, durch den Ausbau der erneuerbaren Energien bis 2010 jährlich eine Million Tonnen Kohlendioxid einzusparen. Sie verantwortet aber den dreifachen Ausstoß von Treibhausgasen durch ihren 25prozentigen Eigentum am Kraftwerk Lippendorf. Die entsprechende Strommenge wäre mit technischen Einsparmaßnahmen kurzfristig zu erübrigen.

Die Redaktion

Aktuelle Nachrichten

Deponieverdacht: Luftaufnahmen vom Gelände der Mitteldeutsche Umwelt- und Entsorgung GmbH (Mueg) in Lochau lassen nach Ansicht von Götz Reimann, Chef der 1999 in Konkurs gegangenen Wolfener Schwefelsäure und Zement GmbH (WSZ), auf eine nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz unzulässige Lagerung von Rauchgasentschwefelungsgips aus dem Kraftwerk Schkopau schließen (Mitteldeutsche Zeitung, 18.07.2002; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 71, 86, 93, 108, 110, 118). Es sei für die Kraftwerksbetreiber billiger, den Gips für 2,50 Euro die Tonne auf der Deponie abzuladen, statt es für eine Verwertungsgebühr von zehn Euro die Tonne von der WSZ zu Schwefelsäure und Zement verarbeiten zu lassen. Nach Angabe von Mueg-Geschäftsführer Heinz Keller sei die Ablagerung der jährlich über 400.000 Tonnen anfallenden Rea-Gipses von einem EU-Vertreter als "Vorstufe zur Verwertung" anerkannt worden. Das auf dem Mueg-Gelände ansässige Gipswerk verarbeite den Reststoff "je nach wirtschaftlichem Bedarf" zu hochwertigem Baumaterial.

Günstige Anlage: Nach Angabe des Verbands der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) wurden von den Stromversorgern seit 1990 die Netz-Übertragungsverluste in Ostdeutschland nahezu halbiert und im Westen um 0,4 Prozentpunkte auf insgesamt 4,3 Prozent gesenkt (VDEW-Pressemitteilung 22.07.2002). Gut die Hälfte der Branchen-Investitionen von 66 Milliarden Euro floss in Ausbau und Modernisierung der Netze.

Umweltbedacht: Beim Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) in Sachsen werden 325 Ausbildungsplätze gesichert (Briefe zur Orientierung im Konflikt Mensch-Erde, Sommer 2002). Der Freistaat belegt damit die Spitzenposition unter allen Bundesländern. Die VolkswagenStiftung hat einer fachübergreifenden Forschungsgruppe des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) 661.600 Euro bewilligt, um miteinander konkurrierende Handlungsmöglichkeiten zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen zu bewerten (PIK-Pressemitteilung, 29.07.2002; s. Dokumentation).

Austrocknung droht: Wegen geringer Regenfälle, unzureichender Wasserführung in der Spree und der Stilllegung von Braunkohlengruben kauft Brandenburg erstmals Wasser in Sachsen ein (Berliner Zeitung, 30.07.2002; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 92, 121). Bis zu 20 Millionen Kubikmeter pro Jahr können bezogen werden. Das ansteigende saure Grundwasser in den Restlöchern der Lausitz muss mit Frischwasser ergänzt und neutralisiert werden. Etwa 25 Naturschützer haben mit einer Sitzblockade gegen die Abbaggerung der Lakomaer Teiche bei Cottbus durch die Lausitzer Braunkohle AG (Laubag) demonstriert (Berliner Zeitung, Der Tagesspiegel 31.07.2002; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 82, 108, 123). René Schuster von der Grünen Liga verwies auf die eintretende Grundwasserabsenkung, die "zu einer starken Schädigung dieser wertvollen Landschaft führen" und deshalb gegen europäisches Recht verstoßen würde.

Verabschiedet: Bürgermeister Horst Bruchmann hat seine siebenjährige Amtsperiode in Deutzen beendet (Leipziger Volkszeitung, Ausgabe Borna, 01.08.2002). Er bleibt ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Heuersdorf.

Abbau nach Übernahme: Die drei Betriebsstätten der Borsig GmbH in Böhlen, Leuna und Schkopau werden an die MCE-Voest-VEA GmbH in Leuna verkauft (Leipziger Volkszeitung, Ausgabe Borna, 02.08.2002). An allen drei Betriebsstätten sollen 90 der insgesamt 130 Arbeitsplätze erhalten bleiben. In Böhlen arbeiten derzeit 83 Beschäftigte.

Luftalarm: Nach Ansicht von Hans-Udo Wieland vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) können durch die Verfeuerung von mit Schutzmittel behandeltem Restholz im geplanten Biomassen-Kraftwerk der Technischen Werke Delitzsch GmbH (TWD) gefährliche Luftschadstoffe emittiert werden (Leipziger Volkszeitung, 02.08.2002; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 108). Nach Angabe des TWD-Geschäftsführers, Lutz Mörtl, werden die verschärften Bestimmungen der Technischen Anordnung Luft eingehalten. Andre Kremonke vom Verein Zukunft Südraum Leipzig wirft dem Regierungspräsidium vor, durch den Verzicht auf ein Raumordnungsverfahren für die in Lippendorf beantragte Müllverbrennungsanlage mangelnde Rücksichtnahme von Luftqualität sowie der Tourismus-und Naherholungsplanung (Leipziger Volkszeitung, Ausgabe Borna, 03.08.2002; s. Heuersdorf Aktuell Nr. Nr. 9, 83, 84, 95, 117, 118, 120, 122, 123, 124). Landrätin Petra Köpping fordert eine länderübergreifende Planung, da sonst "die Eon Müllmengen aus ganz Deutschland" holen könnte. Regierungpräsident Walter Christian Steinbach meint trotz aller Bedenken, dass sich Müllverbrennung mit dem bestehenden Industriegebiet verträgt. Die Frage sei, "wie man im Südraum Industrie und Gewässerschutz zusammenbringt."

Gemeinsames Auftreten: Siemens Power Transmission and Distribution (PTD) in Erlangen und die Stadtwerke Leipzig GmbH (SWL) haben mit jeweils 50prozentiger Beteiligung die Energy Services GmbH gegründet, um deutschlandweit Energiedienstleistungen für Industriekunden und kommunale Energieversorgungsunternehmen anzubieten (Pressemitteilung, 02.08.2002).

Dokumentation

Deutsche Bundesregierung, "Dritter Nationalbericht zum Klimaschutz", Juli 2002: "Der gegenwärtige Weltenergieverbrauch entspricht nicht den Prinzipien einer nachhaltigen Entwicklung. Vor allem wegen des raschen Abbaus knapper, fossiler Energievorräte und den mit ihrer Nutzung verbundenen Emissionen von Treibhausgasen werden die Handlungsspielräume künftiger Generationen eingeengt und der Grundsatz der Generationengerechtigkeit verletzt."