20. September 2002 Nr. 128

Ernte des Überflusses

Die Fördermittel für die Sanierung der Grundschule in Neukieritzsch sind nun vom Regionalschulamt "mit der Begründung, dass kein Geld mehr zur Verfügung steht", gestrichen worden (Leipziger Volkszeitung, Ausgabe Borna, 31.08.2002). Bürgermeister Henry Graichen vermutet, dass ein Großteil der Gelder, die vom Leipziger Regierungspräsidium kontrolliert werden, in Zukunft in die Hochwassergebiete fließen.

Solche Vorgänge könnten in Zukunft häufiger vorkommen, solange die Menschheit so viel Kohlendioxid in die Luft ablässt. Nicht zuletzt deswegen kämpfen die Heuersdorfer um eine andere Energiepolitik.

Die Redaktion

Aktuelle Nachrichten

Zweifelhafte Ehre: Die Umweltorganisation Germanwatch hat Vattenfall Europe zum ersten "Klimasünder des Monats" erklärt (Pressemitteilung, 26.08.2002). Nach Aussage von Vorstandsmitglied Klaus Milke sei "in großem Stil in den mit Abstand klimaunverträglichsten Energieträger, Braunkohle, investiert" worden. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat die Einweihung des neuen "Braunkohlenkraftwerk mit optimierter Anlagetechnik" (BoA) durch RWE-Rheinbraun AG in Niederaußem kritisiert (Pressemitteilung 06.09.2002; s. Zitierfähiges). Dadurch würden die Kohlendioxidemissionen "auf gleichbleibend hohem Niveau" stagnieren. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck sieht in der Braunkohle auf absehbare Zeit den sichersten Rohstoff für die Energieerzeugung seines Bundeslandes (Märkische Oderzeitung, 12.09.2002).

Lebenszeichen: Beim Lotus-Südraum-Projekt sind 82.000 Euro an EU-Fördergeldern zur Gestaltung des Deutzener Strandes am Speicherbecken Borna aufgewendet worden (Leipziger Volkszeitung, Ausgabe Borna, 28.08.2002). Der Verein "Pro Regio" als Bauherr will den Strand ("Adria") in ein geplantes internationales Camp integrieren.

Unmut gelüftet: In einer erstmaligen gemeinsamen Erklärung haben die Umweltverbände BUND, DNR, Germanwatch, Güne Lga, IPPNW, NABU, Robin Wood, WWF und der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) die weitere Förderung und den schnelleren Ausbau der regenerativen Energien gefordert (Pressemitteilung, 30.08.2002; s. Dokumentation, Zitierfähiges). Über den bisherigen Betrachtungszeitraum 2008 - 2012 hinaus sei eine CO2-Minderung bis 2020 um 40 Prozent und bis 2050 um 80 Prozent gegenüber 1990 dringend erforderlich. Der Solarenergie-Förderverein (SFV) hat zu einem Verbot "bei den Techniken, deren Anlagen für hohe Betriebszeiten und Lebensdauern ausgelegt sind, nämlich bei der Stromerzeugung" aufgerufen (Presseerklärung, 31.08.2002). "Eine der vordringlichsten Maßnahmen ist es deshalb, dass keine Bau- und Betriebsgenehmigungen mehr für neue fossile Kraftwerke aller Art erteilt werden."

Warmer Regen: Angesichts der Schattenbildung durch Dampfwolken spenden die Betreiber des Kraftwerks Lippendorf Vattenfall Europe Generation AG und Co. KG, Eon Kraftwerke GmbH (Eon) und die Energie Baden-Württemberg (EnBW) 75.000 Euro für die Sanierung von Sportanlagen in Böhlen (Leipziger Volkszeitung, Ausgabe Borna, 07.09.2002).

Treibhaus Sachsen: Während im Jahre 2002 fünf Millionen Euro für das Förderprogramm Immissions- und Klimaschutz des Freistaates Sachsen bereitstehen, sieht der Entwurf des Doppelhaushaltes für 2003 lediglich 1,5 Millionen und für 2004 noch 1,7 Millionen Euro vor (Leipziger Volkszeitung, 14.09.2002). Nach Ansicht von SPD-Fraktionsvize Simone Raatz wäre vor dem Hintergrund der jüngsten Überschwemmungen "eine deutliche Aufstockung der Mittel geboten". Bei einer Demonstration auf dem Dresdner Schlossplatz forderte die Vereinigung zur Förderung erneuerbarer Energien (VEE) einen Umstieg auf regenerative Energien, durch die in Sachsen bereits 4.500 Arbeitsplätze entstanden sind.

Trampelpfad der Kohle: Für Wilhelm Adamowitsch, Chef der Staatskanzlei in Nordrhein-Westfalen, würde ein vom britischen Kraftwerkskonzern Intergen vorgeschlagene Gas- und Dampfkraftwerk bei Hürth-Knapsack "sicherlich zu Lasten von Investitionen der einheimischen Kohlebranche gehen" (Süddeutsche Zeitung, 18.09.2002; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 44). Aus einem Schreiben der Landesregierung geht nach Darstellung des Intergen-Managers Methew Brett hervor, dass das Projekt "nicht willkommen ist". Die envia Mitteldeutsche Energie AG (enviaM) erwartet tendenziell steigende Strompreise wegen Steuern, Umlagen und der für 2003 angekündigten Verteuerung von Braunkohlenstrom durch die Vattenfall Europe AG (Mitteldeutsche Zeitung, 20.09.2002).

Effizienzsprung: Nach Angabe der Vattenfall Europe Generation AG und Co. KG, wird eine Wirkungsgraderhöhung auf über 50 Prozent unter anderem durch die Dampfwirbelschichttrocknung für Braunkohlekraftwerke angestrebt (Sächsische Zeitung, 19.09.2002; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 45, 66, 81,106). Dieses Verfahren wurde vor 20 Jahren in Zeithain und Borna erprobt und ist in neuer Version seit Juli in Cottbus im Testeinsatz.

Dokumentation

Gemeinsame Erklärung der deutschen Umweltverbände "Für eine nachhaltige Energieversorgung - gegen eine Renaissance der Atomenergie", 30.08.2002: "Die Umweltschäden, die durch die konventionellen und nicht nachhaltigen Energieträger verursacht werden, müssen sich in ihren Kosten widerspiegeln. (...) Die Veränderung der bestehenden Versorgungsstruktur in eine nachhaltige, solare Energiewirtschaft ist unabdingbar, um die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen."

Positionspapier des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zur Braunkohle: www.bund.net/lab/reddot2/pdf/Position_Braunkohle.pdf

Zitierfähiges

Dietmar Kuhnt, RWE-Vorstandsvorsitzender, Kölner Stadt-Anzeiger, 10.09.2002: "Eine Entkarbonisierung der Energieversorgung ist nicht möglich."

Sabine Leutheusser-Schnarrenberg, Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, 29.08.2002, www.solarfreunde-moosburg.de: "Eine Energieversorgung, die alleine auf Erneuerbaren Energien fußt und den Einsatz aller zur Verfügung stehender Energieträger nicht nutzt, folgt dem Diktat der Ökologie. Dies lehnt die FDP ab."