28. Juni 2004 Nr. 156

Gefälschte Ware

Nach Erkenntnis der Sächsischen Zeitung (10.06.2004) wird gegen regenerative Energien weiterhin "Kritik an Dauersubvention" gerichtet. Doch nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wird die Einspeisung von grünem Strom nicht subventioniert, sondern lediglich nach vorgeschriebenen Sätzen vergütet. Das Verfahren ähnelt der Preisbindung bei Büchern. Ohne diese Regelung wäre der Markt längst von Raubkopien überschwemmt. Die Energiezukunft kann ebenfalls nur dadurch gesichert werden, dass die "Raubkopien der Sonne" in Form von fossilen Brennstoffen die ökologisch gerechte Erzeugung von Strom nicht unterbieten. Nur beim Originalprodukt sind alle Kosten im Preis enthalten.

Die Redaktion

Aktuelle Nachrichten

Positive Trendentwicklung: Im Jahre 2002 kamen mit 1.127 Gigawatt-Stunden sechs Prozent des Stroms in Sachsen aus erneuerbaren Energien (Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit, 08.06.2004). 85 Prozent der Stromerzeugung wurde mit der Braunkohle bestritten. Nach Schätzung des Bundesverbandes Erneuerbare Energien (BEE) könnten bis 2020 in Ostdeutschland zu den bestehenden 30.000 Arbeitsplätzen im Bereich erneuerbarer Energien 170.000 weitere hinzukommen (Neues Deutschland, 12.06.2004). Das regenerative Stromerzeugungspotential wird auf 54 Terawattstunden (etwa so viel, wie derzeit von Vattenfall Europe AG mit Braunkohle erzeugt wird) vor allem aus der Windkraft im Inland (19 TWh) und im Offshorebereich (20 TWh) veranschlagt.

Schwindende Lausitz: Nach Auskunft des "Freundeskreises Lacoma" wird im Zuge von Tagebauvorbereitungen (der Vattenfall Europe Mining & Generation AG & Co. KG) das Wasser in den Teichen um Lacoma abgelassen (www.rbi-aktuell.de, 07.06.2004; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 149, 150, 151, 152, 153). Dadurch würden die gesetzlich geschützten Rotbauchunken zum Sterben verurteilt. Die Grüne Liga hat Vattenfall "Betrug an den Aktionären" wegen unrealistisch niedriger Kostenangaben für Ausgleichsmaßnahmen im Bereich des Naturschutzes vorgeworfen (ngo-online.de, 17.06.2004). Nach Entscheidung des Landesbergamts müssen das Bauern-Ehepaar (Werner und Ursula) Domain sowie der Eigentümer Michael Gromm als letzte Einwohner von Horno ihre Grundstücke für den Braunkohlenabbau räumen (Lausitzer Rundschau, 10.06.2004; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 144, 145, 148, 151, 154, 155). Diese wollen jedoch gegen die Anordnung klagen und ausharren, bis sie gegebenenfalls vom Bundesgrenzschutz mit Gewalt zur Aufgabe gezwungen werden (Neues Deutschland, 14.06.2004).

Gegenangriff: Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Nordrhein-Westfalen, Walter Haas, hat dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und dem Öko-Institut aufgrund dessen Gutachten über Garzweiler "arbeitspolitischen Zynismus" vorgeworfen (www.nrw.dgb.de, 08.06.2004; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 152). Dem Klimaschutz hülfe "der Export effizienter Kraftwerke, die in China oder Russland aus weniger Kohle mehr Strom machen, mehr als der unsinnige Wechsel von Kohle zu Gas in Deutschland".

Christlich Geschädigte: Bei der Europawahl am 13. Juni erzielte die CDU in Heuersdorf ihr schlechtestes Wahlergebnis (19,4%) in ganz Sachsen (Lausitzer Rundschau, 15.06.2004).

Treibhausgase als Wirtschaftsmotor: Die Nord-Süd-Initiative Germanwatch und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) haben das Bundeswirtschaftsministerium wegen Nichteinhaltung des Umweltinformationsgesetzes des Bundes verklagt (BUND-Pressemitteilung, 15.06.2004). Dadurch soll erreicht werden, dass Informationen über die Klimaauswirkungen von Hermes-Exportbürgschaften herausgegeben werden. Die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbH (Mibrag) hofft nach Angabe ihres Vorsitzenden der Geschäftsführung, Bruce P. DeMarcus, auf den Bau eines weiteren Kraftwerks in ihrem Absatzgebiet (Mitteldeutsche Zeitung, 16.06.2004; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 151). Um eine verstärkte Importabhängigkeit von Deutschland zu verhindern, müsse "die Braunkohle stärker in den Mittelpunkt des Interesses rücken". Die Vattenfall Europe AG prüft den Neubau eines (seit 1991 geplanten) Braunkohleblocks mit 1000 MW in Boxberg und eines Steinkohlekraftwerks im Großraum Hamburg (Pressemitteilung, 17.06.2004; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 21, 23, 35, 150). Die 320 Mitarbeiter im Kraftwerk Lippendorf haben seit der Einweihung (am 22.06. 2000) 61 Milliarden Kilowattstunden Strom bei einer Auslastung von 91 Prozent produziert (Leipziger Volkszeitung, Ausgabe Borna, 21.06.2004; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 85). Hierzu wurden 49 Millionen Tonnen Rohbraunkohle bei einem Wirkungsgrad von 42,6 Prozent verfeuert.

Erdgas statt Atom: Nach Berechnung des Eurelectric-Präsidenten Hans Haider müsse der Stromabgabepreis auf 4 Cent/kWh (gegenüber heute derzeit rund 3 Cent) steigen, um den Betrieb neuer Gas-und-Dampf-Kraftwerke zu rechtfertigen (Westfälische Rundschau, 17.06.2004). Neubauten von Atomkraftwerken würden angesichts ihrer überhöhten Gestehungskosten von den Banken nicht finanziert.

Zweimal Kohletour: Der "Carbon-Saurier" vom BUND und Friends of the Earth (FOE) wird am 04. September in Heuersdorf aufgestellt (Leipziger Volkszeitung, Ausgabe Borna, 22.06.2004). Die neun Meter hohe Figur symbolisiert die fossile Energieversorgung mit ihren überholten Technologien. Der Saurier wird zwischen Mai und Oktober an über 50 symbolträchtige Zielorte in ganz Europa gebracht. In Hoyerswerda endete mit einer Ehrenrunde im Jahnstadion die Biker-Tour 2004 von Vattenfall unter dem Motto "Für Braunkohle und Energie aus der Lausitz" (Sächsische Zeitung, 23.06.2004).

Goldenes Netz: Der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV), Edda Müller, sieht in der weiterhin (entgegen EU-Vorschriften) fehlenden Regulierungsbehörde Mehrbelastungen für die Stromkunden um fünf Millionen Euro (Die Welt, 26.06.2004; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 72, 137). Beim derzeitigen Stromtarif von 18 Cent/kWh entfallen acht Cent auf Netzentgelte. Spitzengewinne und hohe Dividendenzahlungen seien das Ergebnis.