17. Dezember 2004 Nr. 164

Ende der Vorstellung

Die Stadt Regis-Breitingen ist hoch verschuldet und muss deshalb immer wieder die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbH (Mibrag) um finanzielle Hilfe bitten (s. Heuersdorf Aktuell Nr. 157). Die Aussicht darauf steht umso besser, je mehr Heuersdorfer nach der kleinen Pleißestadt umziehen.

Doch dieser Automatismus hat nun sein Ende genommen. Die Bürger von Heuersdorf haben sich mehrheitlich gegen Regis-Breitingen als Umzugsort ausgesprochen. Nach deren Willen möge sich der Ortschaftsrat für den Fall einer erzwungenen Umsiedlung nun für die Suche nach anderen Standorten einsetzen.

Die Redaktion

Aktuelle Nachrichten

Vorrang der Natur: Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Nordrhein-Westfalen hat die Errichtung eines BoA-Braunkohlekraftwerks bei Grevenbroich durch RWE in Frage gestellt, weil das Projekt eine mögliche Kolonie von Feldhamstern vernichten könnte (Yahoo! Nachrichten, 23.11.2004). Das Tier steht auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.

Beschränktes Recht: In Großbritannien hat die aus Nichtregierungsorganisationen (NGO's) bestehende Coalition on Access to Justice for the Environment (CAJE) beanstandet, dass durch hohe Gerichtskosten den Zugang zum ökologischen Recht verhindert wird (Friends of the Earth, 15.10./29.11.2004). Der Richter Lord Justice Brooke rief zu einer Studie über jegliche Prozessführer auf, da die Verlustaussichten "ein potenter Faktor bei der Zurückstellung von Klagen sein könnten, welche die Umwelt vor Schaden bewahren".

Zwistigkeiten einer Zwangsehe: Der Stadtrat von Regis-Breitingen hat die Anregung des Energiebeauftragten Jeffrey Michel nicht aufgenommen, "über Heuersdorf mit der nötigen Sachlichkeit" zu sprechen (Leipziger Volkszeitung, Ausgabe Borna, 01.12.2004; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 163). Ortsvorsteher Horst Bruchmann verwies dabei auf den erfolglosen Versuch von Heuersdorf von über einem Jahr, eine Eingliederungsvereinbarung mit der Stadt abzuschließen. Das Dokument sei zudem nie im Stadtrat besprochen worden. In einer im Oktober vom Heuersdorfer Ortschaftsrat durchgeführten Meinungsumfrage wurde bei 62,1 Prozent der gültigen Stimmen ein Umzug nach Regis-Breitingen im Falle einer gemeinsamen Umsiedlung abgelehnt (Gemeinsame Zeitung, 03.12.2004). Der Heuersdorfer Ortsvorsteher Horst Bruchmann hat aufgrund eines Drohanrufs umgehend Anzeige gegen Unbekannt erstattet (Leipziger Volkszeitung, 08.12.2004).

Heiliger Rauch: In Horno wurde von (dem bergbautreibenden Konzern) Vattenfall unter Ausschluss der Öffentlichkeit die Dorfkirche zerstört (Berliner Zeitung, 30.11.2004; s. Heuersdorf Aktuell 144, 148, 150, 151, 154, 155, 156. 163). Für den dort wohnenden englischen Schriftsteller Michael Gromm sei es "ein barbarischer Akt, dass ein schwedisches Staatsunternehmen in Deutschland eine Kirche sprengt".

Schwarze Zahlen: Die Arbeitslosenquote im Bereich der Bornaer Agentur für Arbeit hat mit 22,2 Prozent den Höchststand für den Monat Oktober erreicht (Leipziger Volkszeitung, Ausgabe Borna, 03.12.2004; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 12, 75, 81, 100, 117, 134, 138, 146, 152). Auf eine angebotene Stelle kommen rein statistisch 109 Arbeitslose.

Erleuchtung: Bezüglich einer Anfrage zur Errichtung eines Solarkraftwerks auf dem Gelände der ehemaligen Brikettfabrik hat der stellvertretende Bürgermeister Thomas Kratzsch beim Stadtrat von Regis-Breitingen grundsätzliche Zustimmung registriert (Leipziger Volkszeitung, Ausgabe Borna, 04.12.2004).

Grünes Licht für Braunkohle: Bei der Vattenfall Europe Mining & Generation AG & Co. KG wird in Kürze mit Planungsarbeiten für einen weiteren Kraftwerksblock in Boxberg mit einer Leistung von 660 Megawatt begonnen (Lausitzer Rundschau, 04.12.2004; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 87, 89, 97, 118, 132, 146, 150, 153, 156). Im Jahre 2004 wurden mit 59 Millionen Tonnen Braunkohle die Fördermenge um zwei Millionen Tonnen gesteigert. Mit rund 67.000 Gigawattstunden (GWh) lag die Stromproduktion um 3.000 GWh über dem Vorjahreswert. Die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbH (Mibrag) hat 20 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert, 11,1 Millionen Tonnen davon (im Vorjahr 11,7 Tonnen) für das Vattenfall-Kraftwerk Lippendorf (Leipziger Volkszeitung, 06.12.2004). Die Stadtwerke Chemnitz AG hat den Liefervertrag mit der Mibrag gekündigt und bezieht zukünftig 900.000 Tonnen Braunkohle pro Jahr aus der Lausitz (Sächsische Zeitung, 07.12.2004; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 137, 146). Der Regionalversorger enviaM hat seine bevorstehenden Preiserhöhungen mit dem erhöhten Strompreis und den Netznutzungsgebühren des Lieferanten Vattenfall durch "sich abzeichnende Lücken" bei der Stromerzeugung wegen des Atomausstiegs begründet (Sächsische Zeitung, 08.12.2004).

Ausbremsung: In Schweden haben sich die sozialdemokratische Regierung, die Grünen und die Linkspartei auf ein neues Direktiv geeinigt, wonach die Milliardengewinne des Vattenfall-Konzerns vor allem aus Deutschland nunmehr zur Finanzierung einer Umstellung der schwedischen Stromwirtschaft auf erneuerbare Energiequellen eingesetzt werden sollen (Die Tageszeitung taz, 07.12.2004). Des weiteren wird über ein Verbot für Vattenfall verhandelt, neue Kraftwerke zu bauen oder zu kaufen, welche mit Kernkraft oder Kohle betrieben werden, auch unabhängig vom Land des Kraftwerksstandorts.

Pfeifen im Wäldchen: Der erste Spatenstich für das Wohngebiet in Regis-Breitingen, welches das Unternehmen als "Neu-Heuersdorf" ansieht, ist für Februar 2005 geplant (Leipziger Volkszeitung, Ausgabe Borna, 17.12.2004). Nach Angabe des Mibrag-Geschäftsführers Heiner Krieg werden "Weihnachten nächsten Jahres (...) die ersten Heuersdorfer ihr neues Haus 'Am Wäldchen' bezogen haben". Für den Sprecher des Vereins "Für Heuersdorf", Dirk Reinhardt, sei diese Aussage "bloßer Zweckoptimismus".