18. März 2005 Nr. 166

Kulturgüter durch den Schornstein?

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Eintrittspreis für das Theater zum Teil mit Braunkohlenbriketts bemessen. Jeder Besucher wurde dazu aufgefordert, etwas Brennstoff zum Heizen des Saales mitzubringen.

Die Energiewirtschaft ist heute nicht so alternativlos, als dass die Ortslage von Heuersdorf verstromt werden müsste, um das Leipziger Gewandhaus mit Licht und Wärme zu versorgen. Die Nutzung der Braunkohle rechtfertigt keine Vernichtung von Privateigentum und unersetzlichen Baudenkmälern.

Die Redaktion

Aktuelle Nachrichten

Vergiftetes Klima: Der SPD-Bundestagsabgeordnete Jürgen Wieczorek hat den Energiebeauftragten Jeffrey Michel wegen der von ihm errichteten Photovoltaikanlage in Heuersdorf kritisiert (17.02.2005; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 165). Er finde es "grotesk", wenn sich "ausgerechnet ein Amerikaner zum Verfechter der Kohlenstoffdioxid-Reduzierung in Deutschland macht". Für die Abgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, Monika Lazar, offenbare Wieczorek dabei "ein unerträgliches Maß an Ahnungslosigkeit und Ausländerfeindlichkeit" (18.02.2005). Von Kalifornien sei auch einiges zu lernen.

Vollendung des Unvollendeten: Bei einer Sitzung des Braunkohlenausschusses über die Neufassung des Braunkohlenplans für den Tagebau Vereinigtes Schleenhain habe nach Aussage von Andreas Berkner, Leiter der Planungsstelle, Heuersdorf keine Rolle mehr gespielt, "weil der Ausschuss von der bergbaulichen Inanspruchnahme ausgeht" (Leipziger Volkszeitung, Ausgabe Borna, 23./24.02.2005; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 141, 142, 145, 146, 163, 165). Der Heuersdorfer Anwalt Sascha Michaels hat klargestellt, dass der Ort durch die Eingemeindung nach Regis-Breitingen nicht mehr klagebefugt ist. Ein Stillstand des Tagebaus nach Auslauf des jetzigen Hauptbetriebsplans Ende 2005 ist somit unwahrscheinlich.

Lausitzer Kleingehacktes: Die Grüne Liga hat vor der möglichen bergbaulichen Zerstörung des Cottbusser Stadtteils Kahren sowie ferner der benachbarten Orte Haasow, Koppatz, Kahren, Bagenz, Kolonie Bloischdorf, Auras, Kleindöbbern, Oelsnig und Groß Oßnig durch die Vattenfall Europe Mining & Generation AG & Co. KG gewarnt (23.02.2005). Beim Abbaufeld Jänschwalde-Nord könnte der Tagebau direkt bis an Kerkwitz, Grabko und Atterwasch heranreichen. Damit würden "die schlimmsten DDR-Planungen einer maximalen Landschaftszerstörung doch noch wahr".

Doppelfeature: In Regis-Breitingen erfolgte der erste Spatenstich für den Bau eines Wohngebietes für Umsiedler aus Heuersdorf (Leipziger Volkszeitung, 26.02.2005; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 157, 162, 164, 165). Die Bürger von Heuersdorf errichteten zeitgleich ein eigenes Ortseingangsschild mit der Aufschrift "Heuersdorf Statt Regis-Breitingen", da sich der Stadtrat seit Oktober weigert, für eine geeignete Kennzeichnung des Ortes zu sorgen.

Grüne Kröte: In ihrem am 26. Februar verabschiedeten Landtagswahlprogramm lehnt Bündnis 90/Die Grünen in Nordrhein-Westfalen den Braunkohle-Tagebau ab. Doch wegen der geschaffenen Fakten sei davon auszugehen, dass die Braunkohleverstromung in den kommenden Jahren weiter eine bedeutende Rolle bei der Energieversorgung spielen werde. Die Jugendgruppe Greenpeace Aachen hat mit 30 Aktivisten im Alter von 14 bis 20 Jahren gegen den geplanten Neubau eines Braunkohlekraftwerks in Neurath bei Köln protestiert (Aachener Zeitung, 07.03.2005). Man wolle "keinen Klimawandel und deshalb auch keine Braunkohle".

Neues Kohlejahrhundert: Die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbH (Mibrag) will nach Aussage von Bergbaudirektor Horst Schmidt "die Kohleförderung auch nach den jetzt laufenden Tagebauen sichern" (Leipziger Volkszeitung, 01.03.2005). Neben der Erkundung vermuteter Kohlereserven um etwa einer Milliarde Tonnen im mecklenburgischen Lübtheen (s. Heuersdorf Aktuell Nr. 165) werden nun Probebohrungen in der Egelner Mulde nahe Staßfurt durchgeführt.

Jammer über Eigenschuld: Die Mibrag sieht sich vom CO2-Handel benachteiligt (Lausitzer Rundschau, 09.03.2005). Nach Angabe ihres Geschäftsführers Bruce DeMarcus müssen Zertifikate für rund 100.000 Tonnen CO2 zugekauft werden, um die drei firmeneigenen Kraftwerke in der bisherigen Auslastung und Effizienz weiter betreiben zu können.

Heißzeit: Nach Erkenntnis von Greenpeace (16.03.2005) wolle sich Deutschland auf dem bevorstehenden EU-Gipfel gegen konkrete Klimaschutzziele für Europa nach 2012 aussprechen. Bei der Vorstellung einer neuen Klimaschutzstudie des Landesamtes für Umwelt und Geologie hat Sachsens Umweltminister Stanislaw Tillich vor gravierenden Folgen für Landwirtschaft, Wasserversorgung und Tourismus im Freistaat infolge des Klimawandels gewarnt (Leipziger Volkszeitung, 18.03.2005; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 119, 125, 140; s. Zitierfähiges). Man müsse sich dem Klimawandel anpassen und aber auch die Treibhausgase aus dem Verbrauch fossiler Brennstoffe wie Kohle, Öl und Gas reduzieren.

Ungebrochene Trendentwicklungen: Die enviaM-Gruppe hat im Jahre 2004 bei ihren rund 1,6 Millionen Kunden für Strom, Gas, Wärme, Wasser und Telekommunikation einen Rekordumsatz von 2,8 Milliarden Euro erzielt (Leipziger Volkszeitung, 11.03.2005). Die Zahl der Mitarbeiter ging dabei um knapp 600 auf 2.300 zurück.

Zitierfähiges

Rainer Weisbach, CDU-Mittelständler aus Chemnitz, Leipziger Volkszeitung, 17.03.2005: "Die Arbeit der CDU-Spitze 'muss uns durchdringen, das kann ruhig ein wenig DDR-mäßig sein'."