29. März 2005 Nr. 167

Erst heizen, dann beizen

Die Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, Cornelia Behm, hat auf den Fehlbetrag von 13 Milliarden Kubikmeter Wasser in der Lausitz durch den jahrzehntelangen Abbau der Braunkohle und die damit einhergehende Absenkung des Grundwasserspiegels hingewiesen (Berliner Zeitung, 23.03.2005; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 92, 121, 126, 161). Das Wasser in den wieder gefluteten Tagebaurestlöchern sei außerdem sehr sauer sowie schwefel- und eisenhaltig.

Diese Tagebauseen weisen einen pH-Wert von 2,5 - 3,2 auf und ähneln somit großflächigen Essigteichen.

Die Redaktion

Aktuelle Nachrichten

Unverträglich: Nach Überzeugung des SPD-Bundestagsabgeordneten Michael Müller ist ein freier Markt nicht dazu in der Lage, die Vernichtung der Natur zu stoppen, sondern beschleunige diese (Neues Deutschland, 21.03.2005). Das Bundesverwaltungsgericht Leipzig wird sich mit einer Beschwerde des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Nordrhein-Westfalen gegen das Bergamt Düren befassen (22.03.2004). Hintergrund ist die fehlende Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) beim Tagebau Hambach für die Jahre 1996 bis 2020.

Ungebremstes Wachstum: Auf dem Solar- und Osterfest in Heuersdorf am 19. März wurde auf den regionalen Ausbau der Solartechnik hingewiesen (s. Dokumentation). Nach Angabe des Verbands der Deutschen Elektrizitätswirtschaft (VDEW) stieg die Stromerzeugung 2004 um ca. 0,7 Prozent auf 570,1 Milliarden Kilowattstunden (TWh) (21.03.2005). Daran war die Braunkohle zu 25,6 Prozent mit 146,0 TWh und (trotz begonnenen Ausstiegs) die Atomkraft zu 27, 8 Prozent beteiligt. Für den Vorstandsvorsitzenden des Regionalversorgers enviaM, Karl-Heinz Klawunn, sei der "Staat und nicht der Energieversorger" als "Preistreiber" verantwortlich (Leipziger Volkszeitumg 22.03.2005; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 166). Die "Rohstoffpreise etwa bei der Steinkohle und beim Erdöl" seien in den letzten Monaten "um rund 35 Prozent" gestiegen. (Doch die Braunkohle wird auf den Rohstoffbörsen nicht gehandelt.) Um den wachsenden Bedarf nach elektrischem Strom zu befriedigen, müssten nach Aussage der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) bis 2020 weltweit 127 Atomkraftwerke mit einer Leistung von je tausend Megawatt gebaut werden (Lausitzer Rundschau, 22.03.2005). Nach Schätzung des amerikanischen Finanzberaters Clean Edge, Inc. wird der Jahresumsatz beim Bau von regenerativen Energieanlagen von heute 16 Milliarden US-Dollar auf über 100 Milliarden Dollar im Jahre 2014 anwachsen (Business Wire, 22.03.2005).

Umsiedlungssschach: Die Landrätin des Landkreises Leipziger Land, Petra Köpping, hat in einem Zeitungsinterview erkennen lassen, dass die bei der landkreiseigenen WILL GmbH eingerichteten Stelle des "Heuersdorf-Beauftragten" Thomas Kratzsch (der gleichzeitig stellvertretender Bürgermeister von Regis-Breitingen ist) nicht öffentlich ausgeschrieben wurde (Leipziger Volkszeitung, Ausgabe Borna, 24./26.03.2005; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 157, 162, 164, 165, 166). Es sei nicht ihre "Passion", dafür zu sorgen, "dass Heuersdorf erhalten bleibt". Der Leipziger Regierungspräsident, Walter Christian Steinbach, hat Ortsvorsteher Horst Bruchmann angeboten, mit ihm gemeinsam "nach einem Wohnbaustandort seiner Wahl und seiner Bedingungen im Regierungsbezirk Leipzig" zu suchen. Ein "beschränkter Rest an Braunkohlengewinnung" sei für die Zukunft des Leipziger Südraums "unabdingbar". Die Berufung von Edgar Most (Direktor a. D. Deutsche Bank AG) als Vermittler sei so zu deuten, "dass unter den verbliebenen Bürgern ein Prozess des Nachdenkens in Gang gekommen ist" (s. Zitierfähiges).

Fast alles erlaubt: Die 25 EU-Staats- und Regierungschefs haben ein abgeschwächtes Klimaschutzziel für die Zeit nach 2012 angekündigt, wonach die Industrieländer ihre Kohlendioxidemissionen bis 2020 um "15 bis 30" Prozent im Vergleich zum Basisjahr 1990 reduzieren sollen (Die Tageszeitung taz, 24.03.2005). Die Umweltorganisation Friends of the Earth (FoE) nannte diese Absichtserklärung "schwach und zweideutig", da das ursprüngliche Ziel einer 60- bis 80prozentigen Emissionsreduzierung gestrichen worden sei (24.03.2005).

Identitätsstiftend: Die slawische Minderheit der Sorben/Wenden hat in Cottbus die "Serbska Ludowo Strona" (Wendische Volkspartei) gegründet und Hannes Kell zum Vorsitzenden gewählt (Rundfunk Berlin-Brandenburg, 27.03.2005). Der Kulturverband Domowina hat sich ablehnend zu einer Parteigründung geäußert. Geschätzte 60.000 Sorben leben in der Lausitz.

Preissprung: Nachdem der CO2-Emmissionshandel auf der European Energy Exchange AG (EEX) am 09. März zu einem Preis von 10,40 Euro gestartet hat, sagt Chris Rowland, Analyst bei Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein, einen durchschnittlichen Handelspreis um 15 Euro pro Tonne über die kommenden drei Jahre voraus (Mail on Sunday, 28.03.2005; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 149, 150, 151, 152, 153, 154, 155, 163, 166).

Zitierfähiges

Edgar Most, Die Zeit, 28.10.2004: "Wenn wir die Wertschöpfung im Osten nicht erhöhen, wird Gesamtdeutschland nicht gesunden."

Dokumentation

Vorhandene und geplante Solarkraftanlagen in Sachsen, Landesamt für Umwelt und Geologie / Freie Presse / Rudi Weis: Zeithain 5 MW, Königsbrück 6 MW, Brandis 80 MW, Bockelwitz 5 MW, Espenhain 5 MW, Borna 5 MW, Penig 1,6 MW, Penig / Tauscha 1,3 MW, Frankenberg/Langenstriegis 3,5 MW, Freiberg 1,2 MW, Meerane 1,1 MW, Meerane 1,4 MW, Paffroda 1,2 MW, insgesamt 117,3 MW.