08. August 2005 Nr. 171

Handelsbonus

Aufgrund erschöpfter Braunkohlenreserven in der österreichischen Steiermark soll das Kraftwerk Voitsberg stillgelegt werden (Ökonews.at, 12.07.2005). Da die Anlage über 1,2 Millionen Tonnen CO2-Zuteilungsrechte verfügt, könnte bei den heutigen Handelspreisen ein Gewinn von mehr als 30 Millionen Euro pro Jahr für den ruhenden Betrieb erzielt werden.

Greenpeace hat jedoch eine Umrüstung des Kraftwerks bei einer Leistung von 70 Megawatt für die Feuerung von CO2-neutraler Biomasse gefördert, um ohne Verzicht auf die Handelseinnahmen weiterhin Elektroenergie zu erzeugen. Im Ökostromgesetz des Landes werden die Ziele von 10 Prozent Ökostrom für das Jahr 2010 und 30 Prozent für 2035 festgeschrieben.

Die Redaktion

Aktuelle Nachrichten

Routiniert: Für Ralf Lehner, Leiter Elektrotechnik der Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbH (Mibrag), ist das für 2006 vorgesehene Abbaufeld Schwerzau "wie ein Neuaufschluss" (der jedoch ohne Umweltverträglichkeitsprüfung in Betrieb geht) (Leipziger Volkszeitung, 12.07.2005; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 146, 151, 156). Nach Auskunft von Kaufmännischem Geschäftsführer Heiner Krieg laufen "ernsthafte Planungen" für einen Kraftwerksneubau. "Mit einem langfristigen Stromliefervertrag" seien Bau und Betrieb "denkbar".

Sonnenschein eingekehrt: Die lange Zeit umstrittene Photovoltaik-Anlage des Heuersdorfer Energiebeauftragten Jeffrey Michel wurde nachträglich vom Technischen Ausschuss der Stadt-Regis-Breitingen gemäß der Heuersdorfer Erhaltungssatzung genehmigt (Leipziger Volkszeitung, Ausgabe Borna, 12.07.2005; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 166). Das Landratsamt Leipziger Land hat die Stadt zur Aufstellung einer einheitlichen Bekanntmachungssatzung aufgefordert (da bislang in Ermangelung dieser viele Beschlüsse ungültig waren).

Obst gegen Kohle: Der Bund Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Nordrhein-Westfalen hat Klage gegen die Bezirksregierung Arnsberg erhoben, um die Grundabtretung seiner ein Hektar großen Streuobstwiese am Tagebau Garzweiler II zu verhindern (Kölnische Rundschau, 15.07.2005; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 137, 138, 139). BUND-Sprecher Dirk Jansen verwies auf die geplanten "Kraftwerke mit optimierter Anlagetechnik" (BoA), die statt des ursprünglich angestrebten Wirkungsgrads von 53 Prozent nur noch 43 Prozent erreichen (und daher erheblich mehr Braunkohle verbrauchen) würden (s. Heuersdorf Aktuell Nr. 25).

Teufel und Beelzebub: Nach Überzeugung von Sachsens Ministerpräsidenten Georg Milbradt können die Stromkosten durch verlängerte Kernkraftlaufzeiten nachhaltig gesenkt werden (Leipziger Volkszeitung, Ausgabe Borna, 18./22.07.2005; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 164, 169, 170). Der Bau konventioneller Kraftwerke zu wesentlich höheren Preisen und bei einer deutlichen Zunahme von CO2-Emissionen sei "ökonomischer und ökologischer Unsinn". Man brauch gleichwohl einen "Energie-Mix aus Braunkohle und Atomkraft".

Preisauftrieb: Für den Präsident des Arbeitgeberverbandes Sachsenmetall, Andreas Huhn, käme die staatliche und kommunale Aufsicht ihren Pflichten bei der Strompreiskontrolle nicht nach (Leipziger Volkszeitung, 23.07./04.08.2005) Seit 2000 hätten sich die Preise auf nunmehr 8,30 Cent pro Kilowattstunde fast verdoppelt. Nach Aussage von Karl-Heinz Klawunn, dem Vorstandsvorsitzenden des Regionalversorgers enviaM, seien die Preissteigerungen auf die um bis zu 70 Prozent erhöhten Abgaben sowie auf den Erdölpreis zurückzuführen. Zukünftig müssen über 40 Millionen Euro in die Netze zur Aufnahme von Windkraftstrom investiert werden. Der Vorwurf der Preistreiberei sei "Unsinn".

Kohleersatzstätte: Im Neubaugebiet "Am Wäldchen" in Regis-Breitingen hat die Mibrag das Richtfest für das erste Einfamilienhaus ausgetragen, in das die Heuersdorfer Familie Siegel (bei Zusicherung eines befristeten Arbeitsvertrags) einziehen wird (Leipziger Volkszeitung, Ausgabe Borna, 26.07.2005; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 157, 162, 164, 165, 168).

Schöngeistiges: Auf Initiative des Goethe-Instituts Tel Aviv besuchten Künstler aus Israel, Deutschland und den palästinensischen Autonomiegebieten bei einer mehrtägigen Reise durch die neuen Bundesländer auch Heuersdorf (Neue Musikzeitung, 27.07.2005, Leipziger Volkszeitung, Ausgabe Borna, 29.07./04./06.08.2005). Nach Angabe des Mitorganisators Andreas Paeslack zielt das betreffende Projekt "Das Vermögen der Kunst" darauf, "Kritik in Kunst zu verarbeiten", ohne jedoch "parteiische Stellung zu beziehen". Landrätin Petra Köpping war gekommen, um "eine kontroverse Diskussion mit den Gästen zu führen". Die Schaubühne Lindenfels aus Leipzig will in den kommenden Monaten einige Kulturprojekte in Heuersdorf durchführen. Nach Überzeugung des Verwaltungsmitgliedes Christine Richter ist der Ort "ein Beispiel dafür, wie große Konzerne in einem kleinen Dorf Globalisierung spielen". Für Mibrag-Sprecherin Angelika Diesener gehe es in Heuersdorf um harte wirtschaftliche Zwänge, nicht um künstlerische Auslebungen. Nach Meinung von Jeffrey Michel diene der Mibrag-Kunstforderung damit ausschließlich unternehmerischen Zwecken.

Angriffe auf Eigentum: Im Heuersdorf wurde ein Hinweisschild über eine im Jahre 2001 von der Klimakonferenz der Jugend gesetzte Buche durch unbekannte Täter entwendet (Leipziger Volkszeitung, Ausgabe Borna, 28.07/05.08.2005; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 101). Die schwedische Vattenfall AB will ihre deutsche Tochter Vattenfall Europe AG komplett übernehmen und die Minderheitsaktionäre zwangsweise abfinden.

Wasser-Retourmarsch: Mitglieder der Grünen Liga haben in der Cottbuser Zentrale der Vattenfall Europe AG mit Wassereimern das dem Lacomaer Teichgebiet entzogene Grundwasser symbolisch zurückgefordert (Pressemitteilung 28.07.2005; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 145, 149, 150, 151, 152, 153, 156, 160, 168, 170). Der geschützte Hammergraben sei aufgrund der Grundwasserabsenkung des Tagebauvorfeldes teilweise trockengefallen.