02. Februar 2006 Nr. 176

Kohlen- statt Klimaschutz

Der Grünen-Ratsvertreter Ansgar Klein aus Würselen zeigt kein Verständnis für die Kritik von CDU-Mitgliedern an neuen Windkraftanlagen (Aachener Zeitung, 27.12.2005). Er fragt wie teuer noch "das knappe Erdöl" werden und wie viele Klimakatastrophen passieren müssten, bis die Erkenntnis reift, "dass die Welt ohne den Einsatz von erneuerbaren Energien keine Zukunft hat".

Die "ewig Gestrigen" beklagten "Verspargelung", während ihnen jedoch "das Wegbaggern ganzer Dörfer für die Braunkohle offensichtlich egal ist, da ja die Bagger und die dazugehörigen Dreckschleudern von Kraftwerken nicht direkt vor ihrer Haustür stehen. Auch haben die Windkraftgegner wohl noch nichts von Treibhausgasen, saurem Regen, dem Abschmelzen von Gletschern und Eisbergen, der Halbwertszeit von Atomkraftwerks-Plutonium von 27.000 Jahren und dem Zu-Ende-Gehen der Vorräte an Erdöl, Erdgas und Uran gehört".

Die Redaktion

Aktuelle Nachrichten

Stabile Absatzperspektiven: Der Industrieverband Braunkohle (DEBRIV) hat betont, dass allein "aus den bereits genehmigten und erschlossenen Tagebauen" in den nächsten rund 40 Jahren ein Abbau von Braunkohle "in der heutigen Größenordnung erfolgen" könne (05.01.2006). Die Braunkohlenindustrie leiste (hauptsächlich durch den Förderrückggang seit 1990) einen erheblichen Beitrag zu den CO2-Reduktionen in Deutschland. Die einzige ostdeutsche Brikettfabrik Schwarze Pumpe in Spremberg hat im Jahr 2005 insgesamt 1,25 Millionen Tonnen Trockenkohle, davon je 500.000 Tonnen Briketts und Braunkohlenstaub sowie 250.000 Tonnen Wirbelschichtkohle produziert (dpa 11.01.2006). In der zur Vattenfall Europe AG gehörenden Fabrik sind 195 Mitarbeiter beschäftigt.

Ausgelöscht: Um im Tagebau Inden II zwischen Köln und Aachen jährlich 20 bis 25 Millionen Tonnen Braunkohle für das RWE-Kraftwerk Weisweiler abzubauen, sind bislang die Ortschaften Altdorf und Inden umgesiedelt worden (Neues Deutschland, 10.01.2006). Das 1000 Jahre alte Pier mit rund 1.500 Einwohnern soll nun in Kürze abgebaggert werden. Im Bereich des Tagebaus Garzweiler II zieht die Bevölkerung der Erkelenzer Ortsteile Immerath, Lützerath und Pesch geschlossen nach Kückhoven um (Aachener Zeitung, 21.01.2006). Bürgermeister Peter Jansen unterstrich den durchgehenden Widerstand der Stadt gegen den Braunkohlenabbau. Man müsse jedoch in einem Rechtsstaat akzeptieren, wenn man in einer Auseinandersetzung von Rechtsfragen unterlegen ist.

Wind im Regal: Die amerikanische Lebensmittelkette Whole Foods Market mit 180 Verkaufsniederlassungen deckt im Jahre 2006 als erster US-Großkonzern ihren ganzen Elektroenergiebedarf mit 485 MWh Windkraftstrom (USA Today, 10.01.2006).

Sonnenstark: Das neue Solarkraftwerk in Borna mit 3,44 Megawatt soll durch die Nutzung nachgeführter Photovoltaikmodule eine um 30 Prozent erhöhte Stromerzeugung erzielen (Leipziger Volkszeitung, Borna/Geithain, 18.01.2006; s. Heuersdorf Aktuell Nr.136, 147). Nach Angabe des Betreibers Geosol ist der solare Ertrag von Borna und Umgebung mit dem von Freiburg im Breisgau, der südlichsten deutschen Großstadt, vergleichbar.

Konzeptlos: Für Ludger Klus von der Bürgerinitiative "Griese Gegend stoppt Braunkohle" hat die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbH (Mibrag) den vom Bergamt Stralsund "ohnehin wohlwollend bemessenen Zeitrahmen von acht Jahren für Aufsuchungen nicht konsequent genutzt und (...) Auflagen des Bergamtes nicht erfüllt", so dass die beantragte Verlängerung der Erkundungsgenehmigung abgelehnt wurde (Ludwigsluster Tageblatt, 19.01.2006; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 165, 168, 169, 170, 173, 174, 175). Es gebe auch offenbar "keine Partner für die Verwertung der angeblich so wertvollen Diatomeenasche". Nach Erkenntnis von Norbert Wilke, Sprecher der Grünen Liga Brandenburg, haben bei der von Vattenfall beanspruchten Lacomaer Teichlandschaft, die als "ökologisch besonders wertvoll" eingestuft wird, die Stellungnahmen von Naturschutzverbänden und etwa 2.000 Bürgern "die Unzulänglichkeiten des Ersatzkonzeptes bewiesen" (01.02.2006; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 130, 132, 140, 145, 173).

Verwässertes Konzept: Nach Feststellung des Espenhainer Bürgermeisters Jürgen Frisch ist laut Planfeststellungsverfahren "noch nicht geklärt, ob eine durchgängige wassertouristische Nutzung vom Seenkomplex Witznitz über die Pleiße bis in die Stadt Leipzig beziehungsweise zum Markkleeberger und Störmthaler See gewollt ist" (Leipziger Volkszeitung, Borna/Geithain, 20.01.2006). Eine Fremdflutung aus dem Tagebau Profen sowie kalkhaltige flüssige Substanzen sind für eine Freigabe zur öffentlichen Nutzung bis 2007 erforderlich, weil infolge des gestoppten Zuflusses der ph-Wert des Wassers gesunken ist.

Kultur zu Staub: Ein Baugutachten der Technischen Universität Dresden lässt erkennen, dass bei einer Umsiedlung von Heuersdorf weder die bäuerlichen Anwesen ersetzt noch die historischen Bauten umgesetzt werden könnten (Leipziger Volkszeitung, 23.01.2006). Der Verein "Für Heuersdorf e. V." (26.01.2006) ermahnte den Stadtrat Regis-Breitingen dazu, die Erhaltungssatzung von Heuersdorf nicht aufzuheben (was aber trotzdem beschlossen wurde). Mit dieser Absicht verfolge die Stadt "offensichtlich das Ziel, der Mibrag die Zerstörung der von ihr bereits erworbenen Gebäude in Heuersdorf zu erleichtern". In der Ortschaft Röcken (dem Geburtsort von Friedrich Nietzsche) bei Lützen hat der Gemeinderat die bereits vom Landesamt für Geologie und Bergwesen (in Sachsen-Anhalt) genehmigten elf Probebohrungen der Mibrag abgelehnt (Mitteldeutsche Zeitung, 02.02.2006).

Kohle zu Kohle: Der Vertriebsvorstand der Vattenfall Europe AG, Hans-Jürgen Cramer, hat zum 1. Mai eine Strompreiserhöhung um sechs Prozent für Kunden in Berlin und Hamburg angekündigt (Berliner Zeitung, 31.01.2006). Gemäß politischer Vorgabe würde Vattenfall "den gesamten Strom, den wir produzieren, an den auf Börsenpreis basierenden Großhandel" geben. "Und den Strom, den wir verkaufen, holen wir uns von dort. Der Börsenpreis wird so zwangsläufig zur entscheidenden Größe unserer Kalkulation."