16. Dezember 1996 Nr. 4

Advent - Ankunft - Zeit der Erwartung

Warten ist nicht jedermanns Stärke. Viele warten sehr ungern. Die Zeit des Wartens macht ungeduldig, weil man oft keine Chance hat, diese Zeit anders zu nutzen oder auszufüllen. Und doch, das Warten ist ja nicht immer ein passiver Akt. Im Gegenteil: wer wa rtet, der hält sich bereit und wach für den oder das da kommt. Nicht das, was einmal war und was ist, fesselt somit den Blick, vielmehr das Kommende. Warten heißt also vertrauen, sich einlassen auf das Zukünftige, den Bildern und Visionen glauben, die neue s Leben für möglich halten.

Viele haben sich in dieser Zeit einen Adventskranz ins Zimmer gestellt. Das Tannengrün und die Kerzen machen die Orte, an denen wir leben, zu Orten der Hoffnung. Adventszeit in Heuersdorf kann also bedeuten: der Hoffnung einen Kranz zu binden, in dem die E rhaltung der Natur und Heimat gleichermaßen zum Tragen kommt, wie die Erwartung auf Licht im beschäftigungspolitischen Dunkel der Region.

In diesem Sinne wünsche ich allen eine gesegnete und erwartungsvolle Adventszeit.

Pfarrer Thomas Krieger

Aktuelle Nachrichten

Absatzrückgang bei der VEAG: Durch "die Inbetriebnahme konkurrierender Heizkraftwerke im kommunalen, regionalen und industriellen Bereich" ist die Absatzlage der Vereinigten Energiewerke AG seit sechs Jahren rückläufig (UmweltMagazin, November 1996, S. 62) . Erstmalig wurden 1996 Fremdmittel aufgenommen. Mit Leitungsverbindungen nach West- und Osteuropa konnten jedoch im vergangenen Winterhalbjahr über 4 Milliarden Kilowattstunden (entsprechend ca. 4,5 Millionen Tonnen Rohbraunkohle) außerhalb des ostdeutsch en Vesorgungsgebietes geliefert werden.

Stadt Leipzig tritt Wesag-Anteile an RWE ab: Um den Streit über Vermögenswerte zu beenden, wurden Anteilwerte von 38 Millionen DM an die RWE Energie AG überschrieben (Leipziger Volkszeitung 23.11.1996, S. 1 & 7). Ein Rechtsverfahren lehnt Oberbürgermeister Hinrich Lehmann-Grube wegen Prozeßkosten von geschätzten 30 Millionen DM ab: "Bei RWE ist mehr Geld in der Kasse als bei uns". Das RWE-Umsatzergebnis 1995/96 von 65,44 Milliarden DM (Zeitung für kommunale Wirtschaft, November 1996, S. 6) bedeutet somit ei n Verhandlungsübergewicht. Leipzig erhält zum 01.01.1997 das Strom- und Fernwärmevermögen der Wesag sowie einen Ausgleich von 90 Millionen Mark. Dafür wird auf eine Wesag-Beteiligung verzichtet (Leipziger Volkszeitung 13.12.1996, S. 17). In Zukunft kann St rom auch direkt beim Verbundunternehmen VEAG eingekauft werden.

IG Bergbau und Energie: "Energiepolitik zum Nachteil der Braunkohle": Die ostdeutsche Braunkohle-Fördermenge von 85 Millionen Jahrestonnen (1995) sei durch russisches Erdgas und durch die Stadtwerke gefährdet. Hans Berger, Chef der IGBE, fordert daher eine "Entscheidung, wie die langfristige Energiepolitik Deutschlands aussehen wird" (Leipziger Volkszeitung, 03.12.1996). Mibrag-Geschäftsführer Gert Spaniol fügt hinzu: "Wir investieren insgesamt 1,3 Milliarden DM... Da müssen wir auch sicher sein, daß sich d ie Rahmenbedingungen für uns nicht innerhalb weniger Jahre grundsätzlich verändern". Am 25.11.1996 schloß die Mibrag nichtsdestotrotz einen Kohleliefervertrag mit der VEAG über 10 Millionen Tonnen im Jahr für die "kontinuierliche 40jährige Belieferung" aus dem Tagebau Vereinigtes Schleenhain ab (Leipziger Volkszeitung, 26.11.1996, S. 5). Ein Entwurf des zur Vertragserfüllung erforderlichen "Heuersdorf- Gesetzes" wurde dem Sächsischen Landtag jedoch bislang nicht vorgelegt. Die Takraf Fördertechnik GmbH in Leipzig erhielt von der Mibrag bereits einen Auftrag um 150 Millionen DM für einen Kohle-Misch- und Stapelplatz sowie für Bandanlagen.

Bundeskanzler wirbt für Braunkohle: Auf der Feier des mitteldeutschen Reviers zum Barbara-Tag in Leipzig erklärte Bundeskanzler Helmut Kohl vor knapp 600 Bergleuten: "Die Braunkohle ist konkurrenzfähig und weit umweltfreundlicher als in der Vergangenheit". Die ostdeutsche Kohle sei ein fester Bestandteil der deutschen Energiewirtschaft. Der Bergbau solle nicht zu einem "Museumswerk" verkommen (Leipziger Volkszeitung, 06.12.1996, S. 6). Des Kanzlers Bekenntnis zur CO2-trächtigen Braunkohle sowie die Ernennung des Sächsischen Umweltministers Arnold Vaatz zum "Ehrenbergmann" verdeutlichen die veränderte Gestalt des bundesdeutschen Klimaschutzes, der sich vom 25prozentigen CO2-Reduktionsziel bis 2005 zunehmend entfernt. Bei internationalen Verhandlungen vertritt die Bundesregierung nur noch eine 15- bis 20prozentige CO2-Senkung bis 2010 (Umwelt 9/1996, S. 270). Dabei haben der Zusammenbruch der ostdeutschen Industrie und die hiesige Energieträgerumstellung bereits ein "gesamtdeutsches" CO2-Reduktionsergebnis von ca. 12 Prozentherbeigeführt.

Heizgas in Leipzig um 9,5 Prozent teuerer: Die Anhebung ab dem 09.12. wird von den Stadtwerken mit den erheblichen Verlusten in diesem Bereich begründet. Eine Erhöhung bei Strom sei "im Moment" nicht geplant (Leipziger Volkszeitung, 07.12.1996, S. 19).

Bergbau-Sanierung wird weiter finanziert: Der CDU-Bundestagsabgeordnete Rolf Rau verweist auf ein Arbeitspapier des "Steuerungs- und Budgetausschusses für die Braunkohlesanierung", wonach 6,24 Milliarden DM für 1998 - 2002 vorgesehen werden. Das sei wenige r als das 1997 auslaufende Programm, aber "immerhin noch eine Basis für bedarfsdeckende Sanierung" (Leipziger Volkszeitung 12.12.96, S. 1).

Rückblende

Mibrag-Gesellschafter Morrison Knudsen Corporation wurde am 11.09.1996 im Zuge eines Vergleichsverfahrens (amerikanisch: "Chapter 11") mit der Washington Construction Group Inc. zusammengeschlossen. Die Washington änderte ihre Firmenbezeichnung anschließen d in Morrison Knudsen Corporation um. Der Geschäftsschwerpunkt liegt im privaten und öffentlichen Baugewerbe, Umweltschutz und Bergbau. Mehr als 35 Prozent der Aktienanteile befinden sich im Besitz des Vorsitzenden Dennis R. Washington.