09. November 1998 Nr. 41

Ressourcennutzung mit Bedacht

Friedrich Nietzsche hat bemerkt, daß die Lebenden von den Toten regiert werden. Die Folgen gestörter Naturkreisläufe werden den künftigen Bewohnern unseres Planeten routinemäßig zugemutet. Doch die Auswirkungen kurzfristigen Wirtschaftsdenkens machen sich heute schon bemerkbar.

So bedeutet z. B. preiswerte Margarine aus Ölbäumen die Brandrodung tropischer Regenwälder auf der dreifachen Fläche der Schweiz (http://www.wwf.de).

Der "Umweltschutz im kleinen" entfaltet aber ebenfalls eine weltumspannende Wirkung. Der Export von Windkraftanlagen und Energiespartechnik trägt zunehmend dazu bei, daß knapper werdende Brennstoffe geschont werden. In einer Anzeige des Bundesverbands Braunkohle (DEBRIV) wird versichert: "Unsere Braunkohle reicht für Generationen. Das beruhigt". Es beruhigt selbstverständlich umso mehr, je weniger davon verbraucht wird.

Die Redaktion

Aktuelle Nachrichten

Wechsel an der Führungsspitze: Aus gesundheitlichen Gründen verläßt Geschäftsführer David O. Snyder die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbH (Mibrag) (Leipziger Volkszeitung 28.10.1998, S. 6, vgl. Heuersdorf Aktuell Nr. 23, 27). Der Amerikaner Bruce Demarcus wurde vom Aufsichtsrat zum neuen Sprecher der Geschäftsführung ernannt.

Kaum Verbrauchssteigerungen: RWE-Energie-Vorstand Werner Hlubek meint, daß trotz internationaler Preissenkungen (eine Tonne Importsteinkohle kostet derzeit frei Kraftwerk 90 Mark) die Braunkohleverstromung konkurrenzfähig sei (Kölner Rundschau, 29.10.1998). Rationalisierungsmaßnahmen sollen laut Dietrich Böcker, Vorstandsmitglied der RWE-Tochter Rheinbraun AG, die Wettbewerbsfähigkeit sichern. Es wird mit einem jährlichen Zuwachs des Stromabsatzes um lediglich 0,5 bis 0,7 Prozent gerechnet. Trotz des Marktauftritts unabhängiger Erzeuger werden angesichts der Ungewißheiten um den Atomausstieg keine Überkapazitäten befürchtet.

Weitere Fusion: Durch den für 1999 geplanten Zusammenschluß der Westsächsischen Energie AG (Wesag), der Energieversorgung Spree-Schwarze Elster AG (Essag) aus Cottbus und der Chemnitzer Energieversorgung Südsachsen (Evsag) werden 1,3 Millionen Kunden mit einem Umsatz von über 2,5 Milliarden DM im Jahr versorgt (Leipziger Volkszeitung, 30.10.1998, S. 5).

Bergbauliche Ansichten: Der Touristenführer Karl Detlef Mai (034297 - 48215) und der Verein "Mitteldeutscher Umwelt- und Technikpark" (03441 - 83325) bieten fachkundige Touren durch die Reviere des mitteldeutschen Braunkohlebergbaus.

Neue Maßstäbe: Das im Bau befindliche RWE-Kraftwerk in Bergheim-Niederaußem wird einen Wirkungsgrad von 45 Prozent aufweisen (Kölner Stadt-Anzeiger, 31.10.1998). Durch Vortrocknung beträgt der Ausnutzungsgrad der Braunkohle rund 48 Prozent.

Absagen an Abbaggerung: Nach dem Eindruck des Heuersdorfer Bürgermeisters Horst Bruchmann habe sich kaum ein Bürger an der Umfrageaktion der Mibrag zur Umsiedlung beteiligt (Leipziger Volkszeitung, Ausgabe Borna, 30.10.1998, vgl. Heuersdorf Aktuell Nr. 38). In einer Bürgerversammlung am 01.10.1998 konnten Fragen an die anwesenden Vertreter der Mibrag und des sächsischen Wirtschaftsministeriums "teilweise nicht beantwortet werden... Es wurde eine harte Diskussion geführt". Beim Kolloquium am 31.10.1998 in der Heuersdorfer Taborkirche unterstützten Angus Fowler von der Organisation ECOVAST (Europäischer Verband für den ländlichen Raum) und der Bürgerrechtler Wolfgang Templin den Standpunkt der Gemeinde im Streit um eine bergbaubedingte Devastierung. Herr Bruchmann verwies auf unseriöse Behauptungen bei den Energie- und Kohlebedarfsprognosen. Trotz vereinbarter Aussetzung bis 2005 hat die Lausitzer Braunkohle AG (Laubag) versucht, in dem vom Bergbau bedrohten Dorf Lakoma zwei unbewohnte Gehöfte abzureißen (Berliner Zeitung, 04.11.1998). Der Verein-Lakoma verständigte Behörden und Polizei und konnte die Aktion verhindern. Die Laubag hatte den Abriß mit Sicherheitsbedenken begründet. (Mit diesem Argument dürften baufällige Gebäude nirgendwo stehen bleiben.)

Teurer Unterschied: Nach Feststellung von Greenpeace habe es die Bundesregierung den Energieversorgungs-Unternehmen überlassen, die Preise für die Benutzung ihrer Stromnetze festzulegen (Saarbrücker Zeitung, 03.11.1998). Für Strom aus erneuerbaren Energien werde eine mehr als doppelt so hohe Durchleitungsgebühr (bis zu 16 Pf / kWh für eine Entfernung von 300 Kilometern) wie für Kohle- und Atomstrom verlangt.

Kapazitätswechsel: Der Atomausstieg müsse nach Ansicht vom Bundeswirtschaftsminister Werner Müller mit dem Neubau von Kohle- und Gaskraftwerken gekoppelt werden (Die Welt, 03.11.1998). Obwohl regenerative Energien und das Stromsparen an Bedeutung gewännen, könnten sie die Atomkraft nicht vollständig ersetzen. Zur besseren Auslastung ihrer bestehenden Kapazitäten wollen 15 ostdeutsche Stadtwerke mit Kraftwerken von 70 bis 120 Megawatt einen kommunalen Kraftwerkspool aufbauen (Leipziger Volkszeitung, 03.11.1998, S. 5).

CO2-Reduzierung unzureichend: Zum Auftakt der Weltklimakonferenz in Buenos Aires verwiesen britische Forscher in der Zeitschrift "Nature" darauf, daß die Erdatmosphäre bis 2050 ohne Gegenmaßnahmen um durchschnittlich 1,4 Grad Celsius wärmer werden könnte (Berliner Zeitung, 03.11.1998, s. Rückblende). Die erfolgreiche Umsetzung aller bislang angestrebten Klimaschutzvereinbarungen würde gerade 0,05 Grad weniger bedeuten.

Rückblende

"Treibhauseffekt kann Hungersnöte auslösen", Leipziger Volkszeitung, 09.12.1994: "Durch die Folgen des Treibhauseffekts werden nach einer britischen Studie im Jahr 2050 voraussichtlich 60 bis 350 Millionen Menschen zusätzlich Hunger leiden. Hinzu kommen noch 650 Millionen Menschen, die auch bei gleichbleibenden Klimabedingungen nicht genug zu essen haben... die Erwärmung der Erdatmosphäre durch die Belastung mit Kohlendioxid (CO2) hat dramatische Folgen für die Landwirtschaft. Weltweit werden die Ernten danach zwar nicht abnehmen. Aber das Ungleichgewicht zwischen dem fruchtbaren, reichen Norden und dem ausgetrockneten, armen Süden wird sich verstärken".