12. Oktober 1999 Nr. 69

Immer weniger Beschäftigung

Im Geschäftsbericht 1998/99 gab die Lausitzer Braunkohle AG (Laubag) einen Rückgang der Braunkohleförderung um 3,5 Prozent auf 47,1 Millionen Tonnen bekannt (Berliner Morgenpost, 11.10.1999). Noch radikaler fiel der Arbeitsplatzabbau aus. Mit der Streichung von 1616 Stellen sind lediglich 6110 Bergarbeiter bei der Laubag beschäftigt. Das sind 600 weniger, als ursprünglich zugesagt wurden (s. Heuersdorf Aktuell Nr. 44). Die Laubag will in Zukunft auch weiter rationalisieren, um sich im Wettbewerb behaupten zu können.

Bislang hat die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbH (Mibrag) keine vergleichbaren Personalkürzungen bekanntgegeben. Da jedoch der Braunkohleabsatz weit hinter den Erwartungen zurückbleibt, dürfte es ihr schwerfallen, alle bisherigen Arbeitsplatzgarantien aufrechtzuerhalten.

Die Redaktion

Aktuelle Nachrichten

Gerüchteküche: Die Deutsche Bank erwartet eine Fusionswelle bei den überregionalen Stromversorgern, wonach nur noch zwei bis drei Konzerne von Rang übrigblieben (Neues Deutschland, 30.09.1999, S. 9). Im Zuge dieser Entwicklung dürfte auch die Vereinigte Energiewerke AG (Veag) unter den westdeutschen Energiekonzernen aufgeteilt werden.

Technischer Wechsel: Das vor 30 Jahren eingeweihte Braunkohlekraftwerk Thierbach (1090 MW) im Leipziger Südraum wurde stillgelegt (Leipziger Volkszeitung, 30.09.1999, S. 8; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 6, 8, 47, 51, 67). Die Inbetriebnahme des Veag-Pumpspeicherwerks Goldisthal ist für 2003 vorgesehen (Neues Deutschland, 30.09.1999, S. 10; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 10, 11, Rückblende). Vier Pumpenturbinen mit einer Gesamtleistung von 1060 Megawatt kommen dort zum Einsatz.

Stützpfeiler: Neben den in Deutschland geförderten 166 Millionen Tonnen Braunkohle wurden im Jahre 1998 in Polen und der Türkei jeweils 63 Millionen Tonnen, in Griechenland 60 und in Tschechien 51 Millionen Tonnen abgebaut (AP, 01.10.1999). Die Braunkohle war 1998 zu 25 Prozent an der deutschen und 13 Prozent an der europäischen Stromerzeugung beteiligt.

Streitgespräch: Der Vize-Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Michael Luther, fordert eine Befreiung der neuen Bundesländer von der geplanten Stromsteuererhöhung um insgesamt zwei Pfennig (Leipziger Volkszeitung, 02.10.1999, S. 7). Nach Meinung der energiepolitischen Sprecherin von Bündnis 90 / Die Grünen, Michaele Hustedt, würde dieser "Pyrrhussieg" der beschäftigungsfördernden Absicht der Ökosteuer entgegenstehen. Die Mehrkosten für die ostdeutsche Braunkohleverstromung sollen deshalb für eine Übergangszeit gleichmäßig auf alle Stromversorger in Ost und West verteilt werden (s. Heuersdorf Aktuell Nr. 31, 61).

Voreilige Räumung: Die Lausitzer Braunkohle AG (Laubag) drängt die (ca. 673) Einwohner von Haidemühl bis 2003 zur Umsiedlung, obwohl der Tagebau Welzow Süd den Ort erst im Jahre 2018 erreichen wird (Berliner Zeitung, 02.10.1999; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 68). Im abgelaufenen Geschäftsjahr 1998/99 verringerte sich der Umsatz bei der Laubag um 11,3 Prozent auf 1,6 Milliarden DM (Berliner Morgenpost, 11.10.1999).

Absage an Klüngel: Der Geschäftsführer der Cottbuser Stadtwerke, Eberhard Walter, fordert vom designierten Brandenburger Wirtschaftsminister Wolfgang Fürniß (CDU) eine Umkehr der gegenwärtigen Strompolitik (Berliner Morgenpost, 04.10.1999). Der bisherige Wirtschaftsminister Burkhard Dreher (SPD) sei von Anfang an Lobbyist der Stromkonzerne gewesen und trete dort jetzt einen hochbezahlten Job an. Nach Aussage des Prokuristen der Stadtwerke Leipzig GmbH, Winfried Damm, droht der Verlust von 18 Prozent des Umsatzes aufgrund überregionaler Billigstromangebote an Industriekunden. (Leipziger Volkszeitung, 05.10.1999, S. 5; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 67). Die Leipziger Stadwerke müssen weiterhin "den um etwa 30 Prozent über dem Marktniveau liegenden Oststrom" bei der Veag oder bei Regionalversorgern beziehen. "Vier weitere Jahre Veag-Gesetz machen uns kaputt". Die Stadtwerke Forst (Lausitz) haben unter Berufung auf das Energiewirtschaftsgesetz ihre 20jährige Vertragsbindung an den regionalen Energieversorger Envia aufgekündigt (Neues Deutschland, 06.10.1999, S. 9). Neuer Lieferant ist die (finnische) Fortum GmbH.

Energiesparen überlegen: Nach Erkenntnis des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) könnten steuerliche Vergünstigungen für die Wärmesanierung von Altbauten allein in der Glas- und Fensterbranche 18.000 zusätzliche Arbeitsplätze bedeuten (Berliner Zeitung, 09.10.1999). Das bundesdeutsche Ziel einer 25prozentigen CO2-Reduzierung bis 2005 könne nur durch zusätzliche finanzielle Anreize erreicht werden. Der Mineralölkonzern Shell rechnet vor, dass die von der Europäischen Kommission angenommene jährliche Wachstumsrate des Photovoltaikmarktes von 30 Prozent zur Deckung von maximal 0,13 Prozent (heute 0,004 Prozent) des Energiebedarfs in Deutschland bis 2010 führen würde (Die Presse, 09.10.1999).

Erfolgsstory: Bei der 1997 aus dem Bergbauverwalter LMBV ausgegründeten Technische Dienste Espenhain GmbH (TDE) sind 190 Mitarbeiter im Bereich Stahlbau und Brückenmontage tätig (Leipziger Volkszeitung, Ausgabe Borna, 11.10.1999).

Wettbewerb greift: Wegen der Kündigung von 30 Großkunden reduziert sich die Stromabgabe der Stadtwerke Borna (SWB) (48.000 MWh) um 4000 MWh (Leipziger Volkszeitung, Ausgabe Borna, 12.10.1999). Um den Stellenabbau von 50 auf 43 Mitarbeitern komme man ohnehin nicht herum.

Rückblende

"Pumpspeicherwerk Goldisthal", aus "Thüringen das grüne Herz Deutschlands", Bund für Umwelt und Naturschutz Thüringen: "Die Wassermassen sind so enorm, daß der Wasserspiegel des acht Kilometer langen Unterbeckens sich mehrmals täglich um bis zu 30 Meter heben und senken wird. Solche gigantischen Pumpspeicherwerke sind somit keine umweltfreundlichen Stromerzeuger. Sie sind vielmehr die technische Voraussetzung zum Betrieb der ineffizienten Großkraftwerke. Denn einerseits müssen bei Ausfall eines Kraftwerks große Strommengen in Sekundenschnelle im Netz verfügbar sein. Andererseits verlangen Großkraftwerke einen vom schwankenden Stromverbrauch unabhängigen Dauerbetrieb, Tag und Nacht. Mit Pumpspeicherwerken läßt sich überschüssiger Strom 'speichern' und im Bedarfsfall abrufen. Dieses landschaftszerstörende Projekt, zu DDR-Zeiten geplant und begonnen, steht heute einer energiepolitischen Wende entgegen. Statt mit Steuergeldern Energieverschwendung zu subventionieren, fordert der BUND intelligente Alternativen mit dezentralen Energieversorgern auf der Basis von Blockheizkraftwerken".