5. Februar 1997 Nr. 7

Atomkraft und die Kohle

Die Energiekonsensgespräche sollen demnächst anlaufen, um über die Zukunft der Großkraft werke zu entscheiden. Wir können dabei nicht wissen, ob von kommenden Generationen die Kernspaltung oder der Treibhauseffekt als existentielle Gefahren empfunden werden. Es kann aber schon heute als sicher gelten, daß sowohl Atom- als auch Kohlekraftwerke eine ähnliche Versorgungsaufgabe erfüllen und entsprechende Versorgungsstruktur erfordern.

In beiden Fällen wird sogenannter Grundlaststrom erzeugt, der ohne Rücksicht auf den tatsächlichen Bedarf die Verbrauchsstrukturen prägt. Wird elektrische Energie dauernd im Überfluß zur Verfügung gestellt, besteht wenig Grund zur Einsparung.

Diese einfache Logik führt aber dazu, daß die Atom- und Kohlekraft gegenseitig auswechselbar werden. Wo heute noch ein Braunkohlekraftwerk steht, wird nach Erschöpfung der Kohlevor räte mit großer Wahrscheinlichkeit ein Kernkraftwerk errichtet. Die dazu no twendige Infrastruktur (Kühltürme., Verteilerstationen, Hochspannungsleitungen usw.) ist ja schon vorhanden. Wer kann sich da schon dem Argument verschließen, daß es billiger ist, einen Kernreaktor auf das Gelände des Braunkohlen-Kraftwerks zu setzen, als alles auf dezentrale Energieversor gung umzustellen?

Wir verdanken alle Wärme und Licht der Sonne, ob auf direktem Wege der Strahlung oder über die vor Jahrmillionen entstandenen fossilen Energieträger. Die Sonne ist schließlich nichts anderes als ein riesiger Kernreaktor. Seine Vorteile für uns sind:

Von der Kernstrahlung kommt nur ein sehr geringer Anteil auf der Erde an,

wir brauchen uns nicht um die Entsorgung der Brennelemente zu kümmern,

es besteht keine Gefahr radioaktiver Verseuchung,

es besteht nicht die Gefahr klimatischer Veränderungen.

J.M./R.D.

Aktuelle Nachrichten

Bundesregierung zu neuen "offenen" Energiekonsensgesprächen mit SPD bereit: Nach Erklärungen von Wirtschaftsminister Rexrodt und Umweltministerin Merkel können diese auch die nukleare Entsorgung einschließen. Im Einklang mit führenden Vertretern der Energi ewirtschaft sprachen sie sich auch für die weitere Nutzung der Kernenergie in Deutschland aus. (Leipziger Volkszeitung, 14.01.1997, S. 1).

Kernkraftwerke mit Strom-Rekord: Die deutschen Atomkraftwerke haben 1996 mehr Strom als je zuvor erzeugt. Die Kernenergie trage damit seit 1988 etwa ein Drittel der Stromversorgung und zehn Prozent des gesamten Energieverbrauchs in Deutschland. (Leipziger Volkszeitung, 15.01.1997, S. 6).

Atomwirtschaft will Kerntechnik verbessern: Die deutsche Atomwirtschaft hat sich für die weitere Entwicklung der Kerntechnik ausgesprochen und dafür verläßliche politische Weichenstellungen eingefordert. Deshalb werde die weitere Entwicklung des Europäischen Druckwasserreaktors (EPR) vorangetrieben. Die Elektrizitätsunternehmen wollen dafür bis zum Jahre 2000 insgesamt 150 Millionen Mark zur Ver fügung stellen. (Leipziger Volkszeitung, 22.01.1997, S. 1).

Müssen wir weiter auf Kohle setzen?: Der Vorsitzende der IG Bergbau und Energie, Hans Berger, sieht eine lange Zukunft für das "schwarze Gold" voraus; denn Stein- und Braunkohle stünden noch mehrere hundert Jahre als sichere Energierohstoffe zur Verfügung. Die heimischen Energievorräte sind vor allem Braun- und Steinkohle mit Reichweiten der bekannten Lagerstätten von mehreren hundert Jahren. Das Ergebnis seriöser Untersuchungen, wie zum Beispiel des Prognos-Institutes, zeigt, daß regenerative Energiequellen den Beitrag heimischer Kohle auf absehbare Zeit nicht ersetzen können. Das weltweite Investitionsvolumen im Bergbau in den nächsten 25 Jahren wird auf 4000 Milliarden US-Dollar geschätzt. Wenn es also eine Zukunftstechnologie auf einem rasant wachsenden Markt gibt, dann ist es doch wohl die Bergbautechnologie. (Leipziger Volkszeitung,14.01.1997, S. 5)

Was auch in der Prognos-Studie steht:

* "Die Prognose zeichnet ein wahrscheinliches Bild der deutschen Energiewirtschaft bis zum Jahre 2020 unter der Prämisse, daß keine grundsätzlichen oder gar fundamentalen Veränderungen der Rahmenbedingungen eintreten."

* "Dynamische Reichweite der Kohle: 120 Jahre."

* "Es werden heute etwa 1 % der als gesichert gewinnbar geltenden Energiereserven verbraucht."

* "Dominierender Energieträger bei den Reserven ist Kohle mit 60 % der Gesamtreserven.... Erdöl ist deutlich knapper. Auch unter Einbeziehung vermuteter zusätzlicher Ressourcen liegt die Reichweite der Vorkommen (von Erdöl)... nur noch bei 53 Jahren."

* "Verglichen mit dem klimabereinigten Wert von 1990 reduzieren sich die CO2-Emissionen bis 2005 um etwa 10,5 %..." (zur Erinnerung: Klimaschutzverpflichtung der Bundesregierung Senkung um 25 % bis 2005)

* "Der ganz überwiegende Teil der Reduktion ist auf die wirtschaftlichen Einbrüche in den neuen Bundesländern zu Beginn der 90er Jahre zurückzuführen."

(Auszüge aus Prognos-Studie, BMWi-Dokumentation Nr. 387, Febr. 1996)

Die Meinung

* Solange keine über hundert Jahre belegten Messungen vorliegen, dürfen die derzeitigen Angaben zum Treibhauseffekt wohl angezweifelt werden.

* Die prophezeite Endlichkeit der Vorräte an fossilen Energieträgern ist unbewiesen.

* Die BRD hat die Chance, auf dem Weltmarkt mit Braunkohle-Technologien Geld zu verdienen.

* Zur sächsischen Braunkohle gibt es aus ökonomischer Sicht keine Alternative.

(Sinngemäße Äußerungen eines CDU-Landtagsabgeordneten zur Energiepolitik seiner Partei auf einer öffentlichen Vorstellung der energiepolitischen Programme der Parteien am 23.01. 1997 in Zwickau)

Rückblende

* Erforderlich ist eine energiepolitische Offensive.

* Natur ist nicht Steinbruch unseres Wohlstandes.

* Umweltgerechtes Wirtschaften und die größte Sicherheit im Umgang mit modernen Techniken hat Vorrang von kurzfristigem Wachstumserfolg.

* "Weg von der Wegwerfgesellschft" ist unser Ziel.

* Den Menschen in den Entwicklungsländern Energiesparverhalten abzuverlangen, ohne bei uns enscheidend nachzugehen, wäre zynisch.

* Nicht Ausbeutung, sondern ein Denken in Kreisläufen und über Grenzen hinweg muß unser Handeln leiten.

Die angeführten Zitate wurden allesamt auf dem 37. Parteitag der CDU 1989 unter dem Motto "Unsere Verantwortung für die Schöpfung" in Bremen feierlich beschlossen.