27. September 2000 Nr. 91

Krisenbewältigung

In den frühen 90er Jahren kamen Solarkollektoren trotz eines Heizölpreises von lediglich 35 Pfennig bereits vielerorts zum Einsatz. Stark erhöhte Rohölpreise haben die Amortisierungszeit dieser Technik nunmehr drastisch verringert.

Der Ausbau heimischer Fertigungsstätten für Solaranlagen ist unter diesem Umstand naheliegend. Auf diese Weise könnten neue Arbeitsplätze geschaffen und Investitionskapital gebunden werden, das sonst für den Einkauf von Importenergie verlorengehen würde.

Die Redaktion

Aktuelle Nachrichten

Versöhnungsangebot: Auf dem bundesdeutschen "Tag des offenen Denkmals" hat sich Horno selbst unter Schutz gestellt und eine Mahnandacht für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung gehalten (Der Tagesspiegel, 11.09.2000; s. Zitierfähiges, Dokumentation, www.horno.de). Pfarrerin Dagmar Wellenbrink-Dudat versicherte, man wolle "keine Fronten aufbauen, sondern Auswege sowohl für die Einwohner als auch die Arbeiter suchen". Im Mahncamp der Laubag-Bergarbeiter am Hornoer Berg ist man davon überzeugt, dass 4000 Jobs bei der Braunkohlenverstromung nur durch die Abbaggerung von Horno gerettet werden können (s. Heuersdorf Aktuell Nr. 86, 87, 88, 89, 90). Generalsuperintendent Rolf Wischnath hat bei einem dortigen Besuch das Vermittlungsangebot der Evangelischen Kirche zu "Diskussionen in Augenhöhe" mit den Einwohnern von Horno unterbreitet (Lausitzer Rundschau, 22.09.2000). Nach Erkenntnis des Unternehmens-Vorstands der Vereinigte Energiewerke AG (Veag), Jürgen Stotz, sind die Bahnkapazitäten für eine Lieferung von Braunkohle aus anderen Tagebauen nicht ausreichend, um eine Ortsumfahrung von Horno zu ermöglichen (Lausitzer Rundschau, 13.09.2000). Die Versorgungssicherheit wäre auch wie zu DDR-Zeiten gefährdet, als im Winter "die Kohle zu lange unterwegs war und sie erfror". Entscheidet aber das Oberverwaltungsgericht zugunsten von Horno,"haben wir ein dickes Problem", so Stotz. Der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus, Jürgen Kothe, hat kritisiert, dass die Ausgaben Brandenburgs für benötigte Infrastruktur-Maßnahmen von Jahr zu Jahr geringer ausfallen würden (Lausitzer Rundschau, 20.09.2000; s. Zitierfähiges). Es gebe kein Markterschließungsprogramm mehr vom Land. Der SPD-Landtagsabgeordnete Dietmar Woidke meinte jedoch, die Braunkohle habe den notwendigen Strukturwandel in der Lausitz nicht behindert. Für den CDU-Abgeordneten Martin Habermann seien trotz aller notwendigen Anstrengungen um den Klimaschutz die Braunkohle und damit auch Tagebau und Kraftwerk Jänschwalde nicht verzichtbar. (Bis 2005 muss gemäß bundesdeutschem Kabinettsbeschluss die zweifache CO2-Menge vermieden werden, die heute aus sämtlichen ostdeutschen Braunkohlenkraftwerken emittiert wird.) Dieter "Quaster" Hertrampf von den "Puhdys" forderte anlässlich eines Konzertes in Jänschwalde die Hornoer zum Einlenken "im Interesse der Menschen in dieser Region" auf (Lausitzer Rundschau, 27.09.2000). Heimattreue: Die Energie Sachsen Brandenburg AG (Envia) hat ihren Strombedarf von 12.386 Gigawattstunden im abgelaufenen Geschäftsjahr (30. Juni) zu 87 Prozent aus der Verstromung von ostdeutscher Braunkohle gedeckt (Die Welt, 14.09.2000).

Helle Köpfe: Die Mittelschule West in Borna gehört zu den Siegern eines bundesweiten Umweltwettbewerbs des Bund für Natur und Umweltschutz Deutschland (BUND) (Leipziger Volkszeitung, Ausgabe Borna, 15.09.2000). Dadurch konnte eine mit 15.000 DM geförderte Photovoltaik-Anlage auf dem Schuldach installiert werden. Ein Lehrer-Schüler-Team soll nun die unterschiedliche Sonnenscheindauer protokollieren und auswerten.

Boomtown Blues: Nachdem in Leipzig kein Startkapital aufzutreiben war, zieht die Firma Etaing nun nach Köln und errichtet dort ein Werk für Brennstoffzellen mit 500 Mitarbeitern (Leipziger Volkszeitung, 16.09.2000). Angesichts des Potentials dieser Technik zur dezentralen Stromerzeugung ist nach Meinung des RWE-Vorstandvorsitzenden Dietmar Kuhnt die Zeit der Großkraftwerke "möglicherweise vorbei" (Der Spiegel, 39/2000).

Glühende Landschaften: Der Leiter des Münchner Ifo-Institutes, Hans-Werner Sinn, bezeichnet die deutsche Einheit als "ökonomisch misslungen" (Berliner Morgenpost, 18.09.2000). Die staatlichen Finanztransfers nach Ostdeutschland würden noch immer 140 Milliarden DM pro Jahr betragen (s. Heuersdorf Aktuell Nr. 54, 58). "Noch heute produzieren die neuen Länder erst zwei Drittel von dem, was dort verbraucht wird."

Goldener Oktober: Obwohl ab dem 01.10.2000 Heuersdorf wieder selbstständig ist, sind die weiteren Schritte zu der von der Gemeindegebietsreform vorgeschriebenen Eingliederung in eine Gemeinde mit über 5000 Einwohnern noch nicht absehbar (Leipziger Volkszeitung, Ausgabe Borna, 20.09.2000; s. Heuersdorf Aktuell Nr. 87). Nach Meinung des Ortsvorstehers, Horst Bruchmann, wird die zukünftige Gestalt der regionalen Braunkohlenverstromung in Heuersdorf nicht entschieden "aber letztendlich unseren Ort direkt betreffen". Die PDS-Fraktion hat am 03.08.2000 einen Antrag zur bergbaulichen Umfahrung von Heuersdorf zum Erhalt den Gemeinde in den Sächsischen Landtag eingebracht (Drucksache 3/2365).

Zitierfähiges

Christa Wolf, Kassandra: "Wann Krieg beginnt, das kann man wissen, aber wann beginnt der Vorkrieg. Falls es da Regeln gäbe, müßte man sie weitersagen. In Ton, in Stein eingraben, überliefern. Was stünde da. Da stünde, unter andern Sätzen: Laßt euch nicht von den Eignen täuschen."

Jürgen Kothe, IHK Cottbus, Lausitzer Rundschau, 20.09.2000: "Wenn der FC Energie Cottbus so viele Tore schießen würde, wie die Landesregierung Eigentore, wäre der Klassenerhalt gesichert."

Dokumentation

"Drei Meter Protest gegen Kohle-Bagger", Berliner Kurier, 18.09.2000: "Bis 2004 soll die 340-Einwohner-Gemeinde (Horno) den Kohlebaggern weichen. Dadurch soll das nahe gelegene Kraftwerk noch mindestens 20 Jahre ausgelastet, Arbeitsplätze gesichert werden. (...) (In der Horno-Allianz) unter anderem vereint: Naturschutzbund und Grüne Liga, die Jugendorganisationen von SPD, PDS, FDP und das Grünalternativ Jugendbündnis. Unterstützt wird die Allianz von der Sorben-Organisation 'Domowina' sowie der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg, die seit vier Wochen mit Mahnandachten für den Erhalt Hornos betet."