Die Erneuerung von Heuersdorf

Heuersdorf hat schon mehrfach den Nachweis erbracht, dass der Fortbestand des Ortes eine umweltpolitisch, wirtschaftlich und sozial überlegene Alternative zur Umsiedlung darstellt. Die hierzu vorgeschlagene Regelung ist im neuen Heuersdorf-Vertrag festgehalten.

Die Mittelddeutsche Braunkohlengesellschaft mbH (Mibrag) besteht auf der vollständigen Inanspruchnahme von Heuersdorf. Die Gemeinde und ihre Bürger haben sich als Kompromissvorschlag dazu bereit erklärt, erhebliche landwirtschaftlich genutzte Flächen dem Bergbau zur Verfügung zu stellen und Beeinträchtigungen durch den Braunkohleabbau in ihrem Umfeld zu dulden. Zugleich müssten aber Leistungen vereinbart werden, die das Nebeneinander vom Kohleabbau und dem dörflichen Leben in den nächsten Jahren ermöglichen, insbesondere durch abschließende Regelungen über alle zu treffenden Schutzmaßnahmen und Entschädigungsleistungen.Dorfteich Heuersdorf Durch die Verfügbarkeit eines Großteils der unter der Ortslage Heuersdorf lagernden Braunkohle wäre ein wirtschaftlicher Betrieb sowohl des Tagebaus als auch des Kraftwerkes Lippendorf auf Jahrzehnte hinaus möglich. Die Gemarkung Heuersdorf ginge zwar weitestgehend verloren, doch den Bürgern bliebe der naturnahe Kern ihrer Heimat bewahrt.

Die Erneuerung der Gemeinde würde dem regionalen Handwerk mehr Beschäftigungsmöglichkeiten bieten, als die Errichtung einer Ersatzsiedlung an einem anderen Standort. Denn in Heuersdorf müssten nahezu alle bewohnten Häuser renoviert, historische und leerstehende Bauten saniert, die Infrastruktur modernisiert und ein Lückenbebauungsprogramm umgesetzt werden. Darüber hinaus sind geeignete Maßnahmen erforderlich, um wie in den Nachbargemeinden erträgliche Lebensbedingungen in unmittelbarer Nähe des Braunkohlenabbaus sicherzustellen.

Die langjährige Vorenthaltung von Fördermitteln durch die Sächsische Staatsregierung hat die Lebensfähigkeit von Heuersdorf zwar beeinträchtigt, aber in weitaus großerem Umfang bestätigt. Bergbauliche Umfahrung von HeuersdorfEs gibt bereits einige Beispiele in Ostdeutschland für Dörfer, die anstelle einer vorgezeichneten Umsiedlung erfolgreich revitalisiert wurden. Im Leipziger Südraum waren die Ortschaften Kahnsdorf und Dreiskau-Muckern ursprünglich zur Abbaggerung freigegeben. Auch das von Rauchgasen schwerbelastete Mölbis sollte umgesiedelt werden. Doch heute sind diese Gemeinden alle in ihrem Bestand gesichert. Sie zählen inzwischen zu den Dörfern mit der höchsten Lebensqualität im westsächsischen Raum.

Die Umfahrung der um wenige Kilometer entfernten Kahnsdorf könnte als Vorbild für Heuersdorf dienen. Die Abbautechnik ist entsprechend einsetzbar. Das setzt allerdings voraus, dass sich das verantwortliche Bergbauunternehmen rechtzeitig auf die dazu notwendige Tagebauführung vorbereitet.

Der für Heuersdorf tätige Rechtsanwalt Christian Held hat aber am 19. Februar 2004 gegenüber der Leipziger Volkszeitung darauf hingewiesen, dass die Mibrag die Möglichkeit einer bergbaulichen Umfahrung durch vollendete Tatsachen vorwegnehmen will:

“ Ich meine das nicht strafrechtlich: Aber das ist ein bisschen Erpressungspolitik. Man schafft Tatsachen und argumentiert dann damit. Die Mibrag ignoriert die Rechtslage, stellt ihre Bänder auf und hat am Ende ein Problem mit der Umfahrung. Und dann wird gesagt: Weil wir ein Problem haben, muss abgebaggert werden. Bei entsprechender Planung ist kontinuierliche Förderung auch ohne Abbaggerung kein Problem.”

Umfahrung in der LausitzDas nebenstehende Bild zeigt eine Ortschaft an einem Restloch in der Lausitz. Es ist ganz offenkundig, dass diese Gemeinde nicht umgesiedelt wurde, um den Tagebau zu betreiben, und dass das Dorf nach Beendigung des Bergbaus lebensfähig geblieben ist. Eine enge Umfahrung der besiedelten Ortsteile ist hier gelungen. Warum soll das für Heuersdorf unmöglich sein?

Die Landespartei Bündnis 90/Die Grünen in Sachsen hat am 5./6. Mai 2000 auf ihrer Landesversammlung in Meißen den Beschluss “Heuersdorf erhalten und als ökologisches Modelldorf ausbauen” verabschiedet. Der volkswirtschaftliche und kulturelle Wert eines intakten Siedlungsraumes liegt auf einem weitaus höheren Niveau, als dessen Zerstörung zum Zwecke einer zeitlich befristeten Rohstoffgewinnung. Die PDS Sachsen hat sich ebenfalls zur Dorferneuerung aus der Erkenntnis bekannt, dass ein Rückbau der Braunkohlenverstromung ökologisch und arbeitsmarktpolitisch erforderlich ist.

Siedlungsstruktur von HeuersdorfDer Verein “Für Heuersdorf e. V.” hat eine Studiengruppe gegründet, um zunächst die Bedingungen eines erträglichen Lebens in der Nähe des aktiven Tagebaus zu untersuchen. Durch geeignete Schutzmaßnahmen entlang des dunkelgrünen Streifens im nebenstehenden Bild könnten die eintretenden Schmutz- und Lärmbelästigungen während des Kohleabbaus auf ein erträgliches Maß reduziert werden.

Andere Ortschaften in der Region werden bereits ähnlichen Belastungen ausgesetzt. Im Nachbarort Neukieritzsch sind neben der Schule auch gastronomische Einrichtungen und der Wochenmarkt davon betroffen. Die heutige Lärm- und Staubentwicklung liegt aber im Vergleich zum früheren Bergbaubetrieb - der in Heuersdorf bis an die südliche Gemeindegrenze vorgestoßen war - auf einem bedeutend niedrigeren Niveau.

Siegesfeier in HeuersdorfDer Tagebau stellt ohnehin eine nur vorübergehende Belastungsquelle dar. Einzelne Aktivitäten im Außenbereich können solange nach Bedarf eingeschränkt, eingestellt oder auf andere Standorte verlagert werden.

“Siegesfeier in Heuersdorf”
Der-Zeichner.de

Das Dorferneuerungskonzept wird deshalb vor allem im Hinblick auf das Zeitalter nach der Braunkohle entwickelt. Aus dieser Perspektive stellt die Gemeinde einen zukünftigen Wohnort von überragend hoher Lebensqualität dar. Aufgrund der jahrelangen Verweigerung von Bauplatzgenehmigungen und Fördermitteln ist die ursprüngliche Dorfstruktur erhalten geblieben. Der Tagebau hat die Durchfahrtsstraße unterbrochen und Heuersdorf in eine verkehrsberuhigte Zone verwandelt. Durch die Konfliktsituation ist auch die Dorfgemeinschaft bedeutend gestärkt worden. Ein solches Lebensumfeld wird von vielen Familien gesucht. Weil in den 90er Jahren keine Investruinen entstanden sind, besitzt Heuersdorf heute ein naturnahes Lebensumfeld. Hierzu ist von der Freien Waldorfschule Dresden eine Bestandsaufnahme der vorhanden Vegetation durchgeführt worden, um den ökologischen Rahmen einer menschenwürdigen Dorfentwicklung zu verdeutlichen.

Mit dem Verzicht auf die Braunkohle unter Heuersdorf würde das Kraftwerk Lippendorf weniger Kohlendioxid emittieren. Die erzielten Einnahmen aus dem CO2-Emissionshandel sowie die gesetzlich vorgeschriebene Stromeinspeisevergütung ließen eine kostendeckende Stromerzeugung mittels regenerativer Energietechnik aufbauen und weitere Arbeitsplätze schaffen, um auch perspektivisch eine autarke Energieversorgung in Heuersdorf zu verwirklichen.

Im Informations- und Beratungszentrum “Zukunft für Heuersdorf” werden diese und weitere Lösungen erläutert.

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