Öko-Siedlung Gartenstadt Quasnitz
in der CO2-Modellgemeinde Lützschena-Stahmeln bei Leipzig


Hintergrund

Nach Abschluß des Modellprojekts „Der Klimaschutz als Leitlinie kommunaler Gestaltung“, das 1993 - 94 vom Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landesentwicklung gefördert wurde, ist eine CO2-reduzierte Siedlungspolitik in der Gemeinde Lützschena-Stahmeln konsequent fortgesetzt worden. Im Vorfeld der Wohnbausanierung wurde ein Energiekonzept erstellt, um kosteneffektive Renovierungen mit reduziertem Energieverbrauch und erhöhter Investitionssicherheit in Hinblick auf die nachfolgende Privatisierung zu realisieren.

Ökologische Siedlungsplanung

Im Neubaubereich bestehen erweiterte Perspektiven für energiesparendes Wohnen unter gesonderter Erfüllung lufthygienischer Anforderungen. Diese gesamtheitliche Vorgehensweise umfaßt passive und aktive Wärmeschutzmaßnahmen, angepaßte Lüftungskonzepte, bauökologische Materialauswahl sowie eine naturgerechte Umfeldplanung.

Zur Umsetzung der entsprechenden Lösungsvielfalt wurde 1994 die „Öko-Siedlung Gartenstadt Quasnitz“ mit 41 internationalen Architektenentwürfen als Reihenhaussiedlung konzipiert. Nach Erschließung des Wohngebiets wird mit dem ersten Bauabschnitt begonnen.

Das Siedlungskonzept ist nach folgenden Kriterien ausgelegt:

1. Geringer Heizenergieverbrauch

Um dem Anspruch ökologischen Wohnen gerecht zu werden, wird der gesetzlich festgelegte Niedrigenergiestandard als Mindestanforderung erfüllt. Der spezifische Wärmeenergieverbrauch ergibt sich jedoch aus der jeweiligen Bauauslegung, von Holzkonstruktionen über Solarbauten und wärmetechnisch symbiotische Konstruktionen bis hin zu Passivhäusern ohne Zusatzheizung.

2. Anpassungsfähige Heizenergieversorgung

Die zentral angelegte Wärmeversorgung wird durch ein eigenes Datennetz zur interaktiven Bedarfssteuerung vervollständigt. Die Einbeziehung von Solarkollektoren bzw. einem unterirdischen Wärmespeicher werden als mögliche Erweiterungen ebenfalls berücksichtigt.

Ein erhöhter Heizenergiebedarf bei besonders kalter Witterung soll möglichst eigenständig befriedigt werden können, z. B. durch die Einbindung einer zusätzlichen Kaminfeuerung in das zentrale Wärmeversorgungssystem.

3. Reduzierung des Ressourcenverbrauchs

Ein reduzierter Einsatz von Baumaterial ergibt sich bereits aus der verdichteten Bauweise der Öko-Siedlung. Der verringerte Ressourcenverbrauch schlägt sich deshalb bei der Produktherstellung sowie bei der späteren Gebäudenutzung nieder.

Ökologisch gerechte Baustoffe von regionalen Lieferanten ermöglichen einen kostensparenden Einkauf, eine vereinfachte Lieferlogistik und einen harmonisierten Wohncharakter. Die optimale Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz (kurze Wege und schnelle Verbindungen) wirkt dem verbrauchsintensiven Individualverkehr entgegen.

4. Angepaßte Wohnraumbelüftung

Die meisten Niedrig- und Minimalenergiebauten sowie alle Passivhäuser verfügen über eigenes Belüftungssystem, zum Teil unter Nutzung der Wärmerückgewinnung.

5. Individuelle Gebäudepässe

Für jede Wohnung werden praktische Hinweise mit energetischen und klimatechnischen Vorgaben vorbereitet, um die vom Architekten beabsichtigte Wohnweise erzielen zu lassen. Die Einhaltung der wohnraumspezifischen Werte für Heizenergie, Luftwechselrate, Luftfeuchtigkeit und Beleuchtungsstärke wird für die tägliche Nutzung und für gelegentliche Abwesenheit erläutert.

6. Verbrauchssteuerung über Datennetz

Durch einen freiwilligen Datenaustausch über das Siedlungsnetz wird ein gegenseitiger Vergleich von individuellen Verbrauchsmengen ermöglicht. Die ökologisch relevante Bilanzierung von Energie, Wasser und weiteren Ressourcen sowie die anfallenden Entsorgungsleistungen für Abwasser und Abfall werden in ein Verhältnis zu den persönlichen Lebensansprüchen gesetzt.

Mit den ständig übermittelten Daten lassen sich Strategien zur adaptiven Reduzierung des Energie- und Ressourcenverbrauchs realisieren. Die effektive Nachbildung von "virtuellen Ressourcen" soll auch an weiteren Standorten erfolgen, um den Abstand zwischen Verbraucherbedarf und dem theoretischen Einsparpotential allgemein einzugrenzen.

7. Gemeinschaftsgebäude

Ein halböffentliches Gebäude verbindet die Funktion einer Heizzentrale mit weiteren gemeinschaftlichen Aufgaben. So ließe sich ein Büro- und Kopierdienst, ein Natursolarium mit Kräutertrockner, gemeinsame Gästezimmer, eine gemeinschaftliche Wäscherei oder auch ein Kinderhort einrichten. Die endgültige Nutzungsentscheidung findet in Abstimmung mit den Wohnungseigentümern statt.

8. Naturnahe Landschaftsplanung

Die landschaftliche Gestaltung des gemeinsamen Innenbereichs kann zum Wohnbefinden entscheidend beitragen. Ortstypische Bepflanzungen setzen den natürlichen Lebensraum im angrenzenden Leipziger Auwald mit seiner für Mitteleuropa beachtlichen Artenvielfalt fort. Ein naturnaher Aufenthalts- und Spielplatz sowie Nisthilfen an einzelnen Wohngebäuden werden ebenfalls vorgesehen.

Begleitende ökologische Planung

Unter dem Programm „Demonstrationsvorhaben zur ökologisch orientierten Siedlungsplanung“ wird eine gesonderte Projektförderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) für folgende Themenbereiche gewährt:

* Städtebau (Energiebilanzen, soziologische Begleitstudien, Grünwegvernetzung)

* Energie (Heizungsauslegung, neue Technik)

* Hochbau (Gebäudepaß)

* Verkehr (Nutzungsplan)

* Wasser/Abwasser (Regenwassernutzungsplan)

* Boden/Freifläche (Innenbereichgestaltung)

* Klima/Luft (Emissionsbeeinflussung)

* Abfall (Müllreduktionskonzept)

Auf regelmäßigen Informationsveranstaltungen wird die Öffentlichkeit über den Verlauf der jeweiligen Planungsmaßnahmen sowie über deren Auswirkung auf das Wohnumfeld der Gemeinde unterrichtet.

Projektkoordinierung

Die gesamte Projektplanung untersteht der gemeindeeigenen „Projektentwicklungsgesellschaft Gartenstadt Quasnitz“, die als Generalunternehmer tätig ist. Die Koordinierung der Bauentwurfsplanung erfolgt durch die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig.

Übergreifende Zusammenarbeit

Die Planungsergebnisse werden als Beispiel für den CO2-verminderten Siedlungsbau an weitere Kommunen vermittelt. Der gezielte Einsatz der Informationstechnik zur interaktiven Reduzierung des Ressourcenverbrauchs erfolgt in Abstimmung mit dem Projekt Virtuelles Kraftwerk Heuersdorf.

Für weitere Auskunft

Jeffrey H. Michel, Energiebeauftragter