Vegetationsbestandsaufnahme in Heuersdorf

Lukas Weidauer (Waldorf-Schule Dresden, 12. Klasse)

Vom 12.09. bis 16.09.2001 waren Frederik und ich in Heuersdorf und begannen mit einer Vegetationserfassung. Außerdem ernteten wir Äpfel von herrenlosen Apfelbäumen mit Elsa, Laurenz und Johannes, die dazu mit dem Auto aus Dresden kamen.

„Ja, darf ich mal fragen, was ihr hier eigentlich macht?“ Diese Frage hörten wir oft. Es war schon ungewöhnlich für die Bewohner von Heuersdorf, dass zwei junge Leute mit Karte, Stift und Fotoapparat kreuz und quer durch den Ort zogen und irgend etwas aufzeichneten, selbst bei strömendem Regen. Wir bemühten uns, in Absprache mit Herrn Bruchmann, Bürgermeister von Heuersdorf und Deutzen, und Herrn Schmelzer, Büro für Stadtplanung, um eine Erfassung der Vegetation in Heuersdorf. Einerseits geht es dabei um eine klare Wertbestimmung - den Naturschutzwert. Andererseits, um eine Grundlage für zukünftige Ortsplanung und Entwicklung zu schaffen.

Am Mittwoch vormittag kamen wir in Heuersdorf an und holten uns in der Gemeinde den Schlüssel für unsere Unterkunft, eine leer stehende Wohnung. Wir machten einen Rundgang, um alle Äpfelbäume zu finden, die wir abernten könnten. Außerdem überlegten wir uns eine Vorgehensweise für die Vegetationserfassung. Den späteren Nachmittag verbrachten wir in Deutzen mit Jeffrey Michel, dem Energiebeauftragten der Gemeinde Heuersdorf.

Am Donnerstagmorgen hatten wir einen Termin mit Frau Mia vom Stadtplanungsbüro Schmelzer. Wir besprachen die Vorgehensweise und sie gab uns Karten des Ortes, in die wir die Vegetation eintragen konnten. Wir begannen im Norden des Ortes und arbeiteten uns zunächst auf der Ostseite Richtung Süden vor. Es galt, jeden Baum und Strauch, jede Hecke und jedes Gebüsch zu bestimmen und einzutragen, des weiteren Vorgärten und Hausgärten zu erfassen, Mauern, Staketenzäune und Steintore auf der Karte festzuhalten. Bei den Bäumen unterscheidet man zwischen großen (Stammumfang < 1,00 m) und kleinen Bäumen (St. U. >1,00 m), gemessen wird in einem Meter Höhe. Befinden sich auf einer Wiese mehrere Obstbäume, so erfasst man diese als Streuobstwiese. Besonderer Beachtung galt den Hofbäumen, da sie besonders wertvoll sind.

Am frühen Nachmittag trafen wir uns mit Herrn Bruchmann. Den restlichen Tag verbrachten wir weiter im Freien und erarbeiteten uns auch den Nordosten des Ortes. Als die Dunkelheit hereinbrach wurden wir am Weitermachen gehindert. Die halbe Nacht trugen wir nun alles in die Originalkarte ein.

Den ganzen Freitag fuhren wir fort, alles zu erfassen. Wir arbeiteten uns immer mehr nach Süden vor. Uns wurde klar, dass wir nicht alles schaffen konnten, in der uns verbleibenden Zeit. So entschlossen wir uns nur den Ortsteil Heuersdorf zu machen, (das Dorf setzt sich zusammen aus Heuersdorf und Großhermsdorf) den weitaus größeren Teil. Nachdem wir nun Freitagnacht die Originalkarte vervollständigt hatten, konnten wir am Samstag Restarbeiten machen. Sachen, die wir vergessen hatten, wo noch etwas fehlte oder, wo wir unsicher waren. Außerdem trafen wir uns wieder mit Frau Mia und zeigten ihr unser Geschafftes.

Am Samstagabend fingen wir schon an, Äpfel zu ernten.

Am Sonntagmittag kamen dann Elsa, Johannes und Laurenz mit einem Kleinbus aus Dresden. Wie es so ist, fing es gerade total an zu regnen, als wir anfingen zu ernten - never mind.


Wir ernteten etwa 500 kg der schönsten Äpfel. (Ein Bruchteil dessen, was noch dort ist!)

Sonntagabend waren wir wieder in Dresden.

Ja, so etwa, nicht so lang, beantworteten wir die Frage der Heuersdorfer. Mit einigen kamen wir ins Gespräch. Besonders eindrücklich war einer: Er erzählte, dass der Vater seiner Mutter der Kutscher des damaligen Gutsherrn gewesen ist. Seine Mutter hat ihr Leben in Heuersdorf verbracht, er ist in Heuersdorf geboren und lebt seitdem dort. Viele, der in Heuersdorf lebenden Menschen sind Rentner. Die meisten haben einen großen Garten und bauen Gemüse an. Einige haben Federvieh: Hühner, Gänse, Enten. Es ist eindrucksvoll, wie die Grundstücke und Gärten gehegt und gepflegt sind.

Die wirtschaftliche und energiepolitische Notwendigkeit einer Zerstörung des Ortes ist nun schon mehrfach widerlegt worden, jedoch werden immer verschiedene Ansichtspunkte bleiben. Die Frage aber, ob man diesen Menschen ihr Eigentum, ihre mühselige Arbeit, ihre Vergangenheit zerstören darf, kann man eindeutig nur mit einem NEIN beantworten, meine ich!